Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.04.08, Pfarrerin Claudia Kiehn

"Elia IV"

„Auf einem Bein kann man nicht steh´n“, sagt der Volksmund und fordert damit jemanden auf, sich z.B. auch noch ein zweites Gläschen Wein zu genehmigen.

Auf einem Bein kann man nicht steh´n. Das wäre auch eine schöne Überschrift für das, was ich Ihnen heute über den Propheten Elia erzählen möchte. Der hat sich lebensmüde in die Wüste zurückgezogen und bittet Gott „Nimm, Herr, meine Seele“.
Aber anstatt Elia sterben zu lassen, schickt er ihm einen Engel, der ihn sanft berührt, mit Wasser und Brot versorgt und ihn auffordert „Steh auf und iss“. Der Engel ermutigt ihn, aber er drängelt ihn nicht. Darum legt sich der erschöpfte Elia legt gleich wieder hin und schläft weiter.

Auf einem Bein kann man nicht stehen: Der namenlose Gesandte Gottes kommt nicht nur einmal. Nein, er kommt auch noch ein zweites Mal. Elia erwacht noch einmal von der Berührung des Engels – in dieser Situation, an dem Ort, an dem die Erde nicht Trinkbares und nichts Essbares hervorbringt, gibt es nun Wasser und Brot. „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor Dir.“ Mehr sagt er nicht.

Wie wenig – und wie viel. Wir kennen das oft umgekehrt: Wir sind von Menschen umgeben – doch wer rührt uns an? Wir sind von Nahrung umgeben – doch was macht uns satt? In der tiefsten Verzweiflung – wie wenig wäre nötig, aber wie schwer ist es oft zu bekommen. Oft meinen wir, wir müssten etwas Großartiges sagen oder tun, um zum Beispiel der Frau zur Seite zu stehen, die ihren Mann verloren hat. Oder dass wir gleich eine neue Arbeitsstelle in der Hinterhand haben müssten, um den zu unterstützen, der seine Arbeit verloren hat. Sie alle kennen Situationen, die für uns unangenehm sind, weil wir eben keine Super-Lösung im Angebot hatten.

Gott selber macht es anders. Sein Bote wird bei Elia schlicht nur die Grundbedürfnisse stillen. Es ist also einfach und schwer zugleich, dem anderen ein Engel zu sein: Den anderen liebevoll zu halten, wenn er entweichen will wie ein Luftballon. Uns an ihn zu hängen und ihm Halt und Standfestigkeit zu geben. Durch das Elementarste: Elia erfährt „nur“ die Berührung durch einen Menschen, die notwendigsten Worte, etwas zu Essen, das einfachste zu Trinken. Und Geduld und Zeit!

Wir selber brauchen für manche kraftlose oder gar lebensmüde Phase in unserem Leben – Zeit. Oft reicht es nicht, wenn man uns einmal etwas zuspricht, dass wir einmal berührt werden. Wir sind keine Maschinen, in denen man eine Schraube auswechseln kann und schon funktionieren wir wieder. Wir brauchen Zeit, um gesunden zu können an Leib und Seele. Mit „Mal eben“ ist da nichts getan. „Auf einem Bein kann man wirklich nicht stehen“. Der Engel kommt ein zweites Mal. „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor Dir.“ Elia kommt zu Kräften. Dann macht er sich auf den weiten Weg. Immerhin 40 Tage und Nächte – eine Wahnsinns-Wanderung –zum Gottesberg Horeb.

Für mich ist klar: Elia und wir werden auf den Weg geschickt, Gott zu treffen unterwegs, wenn wir verzweifelt sind. Darum: Empfangen wir im rechten Moment wie Elia und lassen uns anrühren; lassen uns Brot und Wasser reichen: Nimm hin und iss! Und: Lasst uns im rechten Moment selber Boten Gottes sein und das Notwendige für den Nächsten bereithalten.

Deshalb also Schlafen, Essen und Trinken. Dem Körper Gutes tun. Weil wir noch etwas vorhaben: Wir werden Gott treffen.

Audiobeitrag "Elia IV"


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