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"Elia V"
Fast ist es eine Abenteuergeschichte, die die Bibel über den Propheten Elia erzählt. Sie hörten in dieser Woche von spektakulären Gottesurteilen mit viel Feuer,
von Morddrohungen der Königin gegen Elia; und davon, dass man den Helden schon fast aufgibt, weil er in der Wüste sterben will. Dann zwei stärkende Begegnungen mit einem Engel, einem Boten Gottes und dann eine lange, lange Wanderung an den Gottesberg Horeb.
Vierzig Tage und Nächte wandert der zuvor so erschöpfte Elia nun wieder kraftvoll seinem Ziel entgegen und kommt an. In einem Abenteuerfilm würde es spätestens jetzt um den goldenen Schatz gehen, der seit Jahrhunderten verborgen, darauf wartet, gefunden zu werden.
Nicht so bei Elia. Er ist auf Gottessuche. Nach einer Höhlenübernachtung will er am nächsten Morgen Gott treffen. Doch wo ist er? Wo kann Elia ihn finden? Wo können wir Gott finden? Elia steht auf dem Berg und wartet. Er erlebt einen großen, gewaltigen Wind der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach wie es in der Bibel heißt. Aber Elia wusste in diesem Sturm ist Gott nicht.
Nach dem Wind wird von einem Erdbeben berichtet. Aber auch da wusste Elia Gott ist nicht im Erdbeben. Und nach dem Wind und dem Erdbeben kam verzehrendes Feuer aber auch darin das wusste Elia war Gott nicht.
Nu´, denkt man, nun ist es aber langsam gut. Wo, wo bitte, ist Elia ihm denn dann nun begegnet. Nach dem Wind, dem Erdbeben und dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Fast ist es eine Abenteuergeschichte, die die Bibel über den Propheten Elia erzählt. Aber das Ende, das Ende passt nun so gar nicht. Kein gewaltiger Schluss mit Sturm, Erdbeben und Feuer. Stattdessen: Gott im stillen, sanften Sausen.
Überraschend und ein bisschen befremdlich Ist das. Gott kommt hier nicht mit Pauken und Trompeten, nicht mit Blitz und Donner, sondern leise und ruhig. Denn wie sehr wünsche ich mir manchmal, er käme mit lautem Getöse daher, würde aufräumen in dieser Welt. Mit dem Blitz hineinfahren, wo Menschen Unrecht geschieht und die vom Donner rühren, die nur an den eigenen Vorteil denken. Aber so wirkt Gott nicht in unserer Welt.
Gott lässt sich im Trubel der Welt offenbar nur schwer finden. Deshalb haben sich wohl so viele Menschen über die Jahrtausende in Klöster zurückgezogen. Haben sich von der Welt ferngehalten, um Gott in der Stille zu begegnen.
Gott in der Stille finden. Wenn man schweigt, um auf die ruhigen Töne Gottes zu hören, wird es nach meiner Erfahrung, am Anfang sogar noch lauter im Kopf. Man kann plötzlich merken, mit wie vielen unnützen Fragen an andere man sich herumschlägt, wie viele unnötige Worte man auf dem Lippen hat, welche brennenden Lebensfragen einen quälen und welche verschütteten und verdrängten Gefühle plötzlich wieder Raum bekommen.
Und dann, dann wird es plötzlich ganz klar im Kopf. Die Spreu kann sich vom Weizen trennen. Lange hinausgeschobene Entscheidungen fallen plötzlich ganz leicht. Es wird deutlich, was wichtig und was unwichtig ist, für das eigene Leben. Und wenn man Glück hat, dann kann man Gott sogar im stillen, sanften Sausen zu sich sprechen hören.
"Elia V"
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