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"...das soll der Mensch nicht scheiden"
Szenen einer Ehe. Im Fernsehen sind sie oft lustig anzusehen. Im wirklichen Leben aber wird man manchmal unfreiwillig Zeuge von solchen Szenen zwischen Eheleuten,
die man nicht miterleben möchte und die auch gar nicht witzig sind. Besonders am Wochenende. Mir ist das kürzlich so ergangen. Beim Einkaufen im Supermarkt. Da fragt ein Mann seine Frau: Brauchen wir Erbsen. Und während ich ein Ja, ein Nein oder Haben wir noch reichlich zu Hause erwarte, schreit die Frau ihren Mann an, so dass man es durch den ganzen Supermarkt hören kann: Tu mir einen Gefallen sei einfach still. Halt einfach die Klappe. Etwas in mir ist innerlich gleich in Deckung gegangen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn die Frau auch noch mit einer Dose Erbsen um sich geschmissen hätte. Hat sie glücklicherweise nicht. Der Mann dackelte einfach stumm hinter seiner Frau her.
Mir ist die Szene zwischen diesen beiden sehr nachgegangen. Ob die beiden wohl immer so miteinander reden? Ob in ihrer Beziehung wohl eine romantische und schöne Liebesgeschichte am Anfang stand, die sich nun zur Ehehölle für beide entwickelt hat? Oder ob sie nur einen schlechten Tag hatte und beide ansonsten sehr liebevoll miteinander umgehen? Letzteres glaube ich nicht, dazu sahen der Mann wie die Frau zu verbittert, einsam und unglücklich aus.
In der Bibel heißt es Was Gott zusammengeführt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Bei jeder Trauung hören wir diese Worte. Nachdem die Ringe getauscht sind, reichen sich die Liebenden die rechte Hand und der Pfarrer oder die Pfarrerin spricht den Eheleuten zu: Was Gott zusammengeführt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Ob das vielleicht der Grund ist, warum diese beiden Menschen aus dem Supermarkt und nicht nur die sich in einer Beziehung lieber weiterhin verletzten als getrennte Wege zu gehen. Ist es unchristlich, sich zu trennen?
Das biblische Wort richtet sich zwar gegen die Scheidung, die damals zu Jesu Zeiten leichter und schneller herbeizuführen war als zu unseren Zeiten jedenfalls für die Männer. Aber es sollte ein Schutz sein für das Leben, vor allem für das der Frauen, die plötzlich mittellos auf der Strasse standen. Leichtfertig sollen wir nicht scheiden, was Gott zusammengeführt hat. Aber eine Beziehung zu führen, ist zuweilen kein Vergnügen und sicher auch harte Arbeit: Den eigenen Standpunkt zu vertreten und dennoch im Kontakt mit dem anderen bleiben. Auf eigenen Beinen stehen und dennoch gemeinsame Wege zu gehen. Wenn es nötig ist, auf der eigenen Meinung zu beharren und in anderen Fällen, Kompromisse einzugehen. Das alles ist nicht leicht. Gerade weil wir im ersten Verliebtsein in allem eins sind, in allem einig und verschmelzen. Aber das geht nicht ewig. Einander wirklich begegnen können wir immer nur dann, wenn wir zu uns selber stehen. Und das ist nicht leicht. Und dem Paar aus dem Supermarkt offenbar nicht gelungen.
Für Christen ist klar: So sehr wir uns anstrengen, es gelingt nicht alles in unserem Leben. Oft auch das nicht, was wir uns so sehnlich wünschen. Aber für uns gibt es immer wieder einen Neuanfang wenn es wirklich nicht mehr geht, wenn alle Versuche, zueinander zu finden, ergebnislos verlaufen. Wenn statt Liebe nur noch Verachtung und Hass die Beziehung regieren. Dann wird es Zeit sich wieder für das Leben zu entscheiden und getrennte Wege zu gehen. Für einen solchen Neuanfang bietet die evangelische Kirche sogar Gottesdienste an, in denen anlässlich der Scheidung der Segen für die beiden Menschen erbeten werden kann, die nun wieder getrennte Wege gehen.
"...das soll der Mensch nicht scheiden"
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