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Der Hauptmann
Der Hauptmann hatte sich freiwillig zum Auslandseinsatz im Nahen Osten gemeldet. Seit drei Jahren ist er nun vor Ort und hat als Kompaniechef gute Arbeit geleistet.
Seine Kompanie hat noch keinen Mann verloren. Den größten Erfolg sieht er darin, dass er das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen konnte. Und das, obwohl der Name unseres Landes durch die Geschichte ja immer noch belastet ist, sagt er nachdenklich.
Auf die Frage, wie er das erreicht habe, denkt er kurz nach. Wahrscheinlich sei das Wichtigste gewesen, die Ältesten in den Dörfern zu gewinnen. Die religiösen Autoritäten. Zum Durchbruch sei es gekommen, als der Wiederaufbau des zerstörten Gotteshauses anstand. Ein jahrhundertealter Bau, der bei den Kampfhandlungen vor einigen Jahren stark beschädigt worden war. Der Hauptmann konnte Mittel aus einem Wiederaufbaufonds zur Verfügung stellen. Und einige Pioniere wurden zur Unterstützung bei den Bauarbeiten abgestellt. Die religiösen Unterschiede hätten keine Rolle gespielt.
Der Dorfälteste bestätigt das. Um den guten Ruf des Hauptmanns zu verdeutlichen, erzählt er eine Geschichte. Im letzten Jahr sei einer der Soldaten an Typhus erkrankt. Vermutlich hatte er verschmutztes Wasser getrunken. Die Krankheit war schnell vorangeschritten, Antibiotika standen nicht zur Verfügung.
Als die Einwohner von dem Fall erfuhren, hatten sie eine kleine Delegation zum Hauptmann geschickt. Vorsichtig hatten sie von einem Mann berichtet, der die Gabe habe, zu heilen. Sie hatten vorgeschlagen, diesen Mann ins Lager zu holen.
Nach einem Moment des Zögerns willigte der Hauptmann ein. Er bat die Dorfbewohner, ein gutes Wort für ihn einzulegen. Als sie sich mit dem Heilkundigen dem Lager näherten, wurden sie jedoch von zwei Soldaten aufgehalten. Diese hatten eine höfliche Botschaft des Hauptmanns, die jedoch sehr ungewöhnlich war:
Der Hauptmann ließ ausrichten, er sei des hohen Besuches nicht würdig. Aber er sei gewohnt, dass seine Befehle von seinen Untergebenen immer befolgt werden. Genauso könne sicherlich doch auch der Heilkundige aus der Ferne handeln. Sprich nur ein Wort, dann wird mein Soldat gesund. Witterte der Hauptmann eine Falle und wollte deshalb den Unbekannten auf Distanz halten? Fürchtete er den Ruf, ein Esoteriker zu sein? Oder steckte echtes religiöses Vertrauen hinter seinen Worten? Ein Gefühl, auf die Begegnung mit einem heiligen Mann nicht vorbereitet zu sein, ihrer nicht würdig? Dann war es ihm auf beeindruckende Weise gelungen, seinen Glauben in seine militärischen Anschauungsformen zu übersetzen.
Nach Auskunft des Dorfältesten nahm der Heilkundige den Hauptmann beim Wort und sagte beeindruckt, solchen Glauben habe er in ganz Israel noch nicht gefunden. Als die beiden Soldaten wieder ins Lager zurückkehrten, sei der Kranke gesund gewesen.
Diese Geschichte klingt, als habe sie sich bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr ereignet. Sie stammt jedoch aus der Bibel und erzählt von römischen Soldaten in Israel. Der römische Hauptmann ist mit seinem einzigartigen Glaubensbekenntnis als Hauptmann von Kapernaum in die Geschichte eingegangen. Sein Knecht wurde von Jesus geheilt. Nachzulesen im 7. Kapitel des Evangeliums nach Lukas.
Der Hauptmann
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