|
Talea
Sie heißen Dennis, Kevin und Talea. Und sie haben eines gemeinsam: Sie bekommen erst nach ihrem gewaltsamen Tod die Aufmerksamkeit, die sie in ihrem jungen,
kurzen Leben so nötig gehabt hätten: Vernachlässigte, geschlagene, misshandelte Kinder. Talea ist eine weitere Schlagzeile und ein weiteres zu Herzen gehendes Foto in einer Traueranzeige.
Was bleibt? Ein rosa Kindersarg mit einer goldenen Krone darauf. Unmengen von Blumen und Stofftieren. So wurde in der vergangenen Woche die 5-jährige in Wuppertal beerdigt.
Wer ist schuld? Die Jugendämter? Die Politiker mit ihren drastischen Einsparmassnahmen? Die Pflegefamilie? Es wird Wochen dauern bis die Ermittler und Gerichte Licht in den Fall bringen und es wird Konsequenzen haben müssen.
Jetzt aber schon spitzt sich die Frage zu: Wie viel Geld, wie viel Personal stellt eine Gesellschaft bereit, um Kinder zu schützen und für Kinder zu sorgen? Denn eines zeigen alle Fälle egal- wie sie im Einzelnen gelagert sind. Unsere Gesellschaft hat nicht genug Instrumentarien entwickelt, um Kinder zu schützen. Gerade Kinder, die in einer problematischen Familiensituation aufwachsen.
Und es reicht wohl nicht nur mehr Geld zu mobilisieren. Das sollte auf jeden Fall erfolgen. Es hat auch etwas mit einer Kultur der Aufmerksamkeit zu tun.
Und das ist schon seit Beginn der Menschheitsgeschichte so. Die Bibel erzählt von Abraham, dem Vater aller Gesellschaften, der seinen Sohn Isaak opfern soll. Der Vater zieht tatsächlich los, um den Erstgeborenen abzuschlachten. Völlig blind für Alternativen. Völlig verblendet, dass es ein Leben und eine Zukunft ohne unsere Kinder nicht geben kann. Die Umstände gebieten es, redet er sich ein. Er hinterfragt sie nicht. Kurz vor dem entscheidenden tödlich Hieb öffnet Gott Abraham die Augen und zeigt ihm einen Widder. Dieses Tier opfert Abraham nun anstelle des Sohnes. Ein Widder- er steht auch für Wohlstand und Geld in dieser Geschichte. Ein Widder bedeutete Wolle, Fleisch oder wie wir heute sagen - Einkommen.
Für mich steckt in dieser biblischen Geschichte zweierlei. Fürsorge kostet Geld. Es müssen mehr Mittel für die Jugendämter, für Kindergärten, für Beratungsstellen und und und
bereitgestellt werden. Das Wohl der Kinder fängt eben auch bei dem Wohl der Väter und Mütter an. Damit sie nicht blindlings wie Abraham nur in Sackgassen rennen, in der das Kind zum Opfer wird. Zum zweiten braucht es nicht nur eine Sensibilität der Fachleute, der Behörden und Einrichtungen. Es liegt auch an jedem von uns hinzusehen und nicht nur die traurigen Schlagzeilen zu lesen.
Ich kann mir auch gut vorstellen, dass sich Menschen zusammenschließen und engagieren. Als Aushilfsgroßmutter, als Babysitter, als Märchenonkel. Gelungene Beispiele dafür gibt es schon. Wenn Kinder vernetzt sind mit aufmerksamen Menschen, dann ist das Risiko einer individuellen Überforderung der Eltern und Betreuer kleiner. Und das hilft dann allen Kevin und Taleas unseres Landes.
Talea
|