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Graue Wohnform mit bunter Zukunft
Dreckige Geschirrstapel in der Küche, Haare von Bernd im Abfluss und immer jemand mit dem ich die Nacht durchreden konnte. Das war meine WG Zeit. Eine tolle Zeit.
Verdammt lange her. Heute sind Studenten - WGs eher funktionelle Lebenszusammenschlüsse mit Geschirrspüler und detailliertem Putzplan. Doch wer denkt, Wohngemeinschaften seien nur etwas für junge Leute, der irrt gewaltig. Vielmehr wird dieser Lebensform eine bunte Zukunft vorhergesagt. Laut einer Umfrage möchte jeder dritte Deutsche mit gleichaltrigen Freunden alt werden. Die Alten WG - eine Alternative zu Seniorenheim und Pflegeeinrichtung? Seit 19 Jahren wohnen Dr. Henning Scherf und seine Frau Luise in einer weißen Gründerzeitvilla nahe der Bremer Innenstadt - zusammen mit "Gleichgesinnten". Als sie die WG gründeten war Scherf Mitglied des Senats der Freien Hansestadt Bremen, deren Bürgermeister er später sein sollte.
O-Ton: Es fing alles an, als unsere Kinder aus dem Haus zogen. Und dann haben wir überlegt, was machen wir nun? Und sind mit Freunden auf die Suche gegangen. Wir haben vier Jahre nur geredet, geredet und geplant, geplant und überlegt und ausprobiert. Autorin: Schließlich kauften sie ein Haus, das für den Abbruch vorgesehen war. Mit viel Mühe und fachmännischer Hilfe wurde es umgebaut, die Türen verbreitert, ein Fahrstuhlschacht eingezogen. Sieben Wohneinheiten entstanden. Unter einem Dach mit Freunden, verbindlich und distanziert zugleich. Auf Dauer angelegt und auf Fürsorge. Das war und ist die Idee dieser Bremer Hausgemeinschaft für Alte.
O-Ton: Wir haben einen großen Garten, wir haben das gemeinsame Auto, wir haben eine Werkstatt, Waschküche, Keller und alles, was man so braucht. Und unsere Treffen, unser gemeinsames Essen, das geht reihum durchs Haus. Wir haben nie Abrechnungsprobleme und wir haben auch nie Probleme, dass die Gemeinschafts-dienste nicht von allen gleichermaßen erfüllt werden.
Autorin: Kurz nach dem Einzug wurde die Hausgemeinschaft bereits vor ihre erste Bewährungsprobe gestellt. Eine Bewohnerin erkrankte unheilbar. Zwei Jahre lang wurde sie nun rund um die Uhr gepflegt. Die Hausgemeinschaft löste sich gegenseitig bei der Begleitung ab.
O-Ton: Kaum war sie tot, wurde ihr Sohn krebskrank. Und er wollte - genau wie seine Mutter eben auch nicht in eine Klinik, sondern wollte zu Hause sein.Wir haben alle unsere Türen offen gehalten, damit er, wenn er seine Ängste nicht anders bewältigen konnte, sich zu jedem von uns bewegen konnte.. Dann kamen auch unsere Kinder dazu, dann auch schon unsere Enkelkinder dazu. Und er hat so richtig in der Mitte dieser drei Generationen seinen Tod erlebt. Das hat uns sehr zusammengeschweißt. Das war stressig, aber das war eine ganz große Erfahrung.
Autorin: Im Alter fällt es oft schwer, sich auf neue Situationen, sich auf neue Menschen auf neue Lebensformen einzulassen. Es sind oft unerfreuliche Umstände, die einen dazu zwingen. Den alten Baum entwurzelt man nicht, sagt das Sprichwort. Und manchmal gilt das schon für 40-jährige.
O-Ton: Und es ist eine Einladung für viele, sich so ähnliche Gedanken zu machen. Wir sollten auch egal wie alt wir sind, aus unserem Leben etwas machen. Wir sollten diese Angst, dass der Andere einem vielleicht zu nahe rückt, relativieren und erst einmal ausprobieren, ob das geht. Meine Erfahrung ist, dass das Leben dann reich wird und schön wird. Ich bin dankbar dafür. Ich freue mich auf jeden Tag.
Graue Wohnform mit bunter Zukunft
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