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In der Straßenbahn
Diesmal war ich wild entschlossen, den Mund aufzumachen. Schließlich gings ja nicht nur um mich, sondern um die ältere Dame,
die mit mir zusammen in die voll besetzte Straßenbahn gestiegen war und nun ratlos vor den beiden Jungs stand, die sich auf dem nächst gelegenen Vierer breit machten: Der eine am Fenster, der andere am Gang, beide mit den Füßen auf dem gegenüber liegenden Sitz.
Würden Sie bitte den Platz freimachen? Keine Reaktion. Finden Sie es besonders höflich, die Dame hier stehen zu lassen? Keine Reaktion. Und dann - ich wurde zugegeben wütend: Ihr zwei findet euch wohl besonders cool, was? Da endlich hebt der eine wenigstens den Kopf und fragt mit müdem Augenaufschlag: Ey, Alter, bettelst du um Prügel?
Erst hab ich mich umgeguckt und die Gesichter der Mitfahrenden gesucht. Die guckten teils krampfhaft aus dem Fenster, teils krampfhaft auf den Boden, und einer holte sich sogar eine Zeitung zum Verstecken aus der Tasche. Und dann habe ich mich rumgedreht und bin ohne ein weiteres Wort in den vorderen Teil der Bahn gestiefelt, wo ich sogar einen Sitzplatz fand. Auf dem hatte ich mich kaum niedergelassen, als die beiden Jungs hinterherkamen, sich vor mir aufbauten und mich wortlos anstarrten, bis sie schließlich zwei Stationen später ausstiegen.
Das Unrecht in der Welt hat vor allem damit zu tun, dass wir oft zu wenig Mut und Glauben haben. Zivilcourage ist gefragt. Das ist sehr richtig. Aber im Alltag manchmal verteufelt schwer.
Sprecher: Michael Birgden
In der Straßenbahn
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