Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.03.08, Prof. Reinhard Schmidt-Rost

Der Traum des Petrus

Petrus! Petrus! Wach auf! Petrus! Du wolltest doch mitkommen ...!“ Eine leise Frauenstimme drang in den Traum des Jüngers... aber sie erreichte den Schläfer noch nicht,

Traum und Wirklichkeit waren für ihn noch eins ...

„Petrus! Wir müssen gehen, es wird schon hell ...“

Doch der Traum hielt den Jünger noch fest: Er sah sich am Ufer des Sees in Galiläa stehen, so wie damals, als Jesus zum ersten Mal zu ihnen gekommen war und sich sein Boot erbeten hatte, um vom Land wegzufahren, ... um besser von den Leuten gehört zu werden ...

Er stand wie damals mit seinem Bruder und seinen Freunden zusammen, Andreas, Johannes, Jakobus ...und dann war auch Jesus plötzlich wieder bei ihnen, als wäre alles wie damals, als wäre nichts gewesen, als wären nicht drei Jahre vergangen

... und Jesus schaute ihn ganz freundlich an, und ruhig und liebevoll: Simon, hast du mich lieb? Simon, sagte Jesus im Traum zu ihm, wo ihn doch zuletzt alle nur noch Petrus nannten, Simon, hast Du mich lieb?

Und wieder dringt diese andere Stimme in seinen Traum, fast so sanft wie die Stimme Jesu „Petrus, wach auf!“ Aber er will noch nicht aufwachen, will diesen Eindruck noch spüren, diese Wärme: Simon, hast Du mich lieb? Ja, will er rufen, aber er spürt, seine Stimme ist lautlos im Traum: Ja, ich habe Dich lieb!

Dann fährt er hoch, eine Hand hat ihn an der Schulter berührt: „Petrus, sag’ was! Sollen wir schon vorgehen?“ Da richtet er sich halb auf, reißt sich von dem Traumbild los, und antwortet, aber immer noch ganz benommen: „Ja, geht schon Maria, ich komme gleich nach, ich habe von Jesus geträumt, laß mich noch einen Moment.“

Da verschwindet die junge Frau geräuschlos, die anderen Jünger, die im gleichen Raum schlafen, merken nichts ... Petrus aber sinkt wieder auf sein Lager, und versucht den Traum noch einmal zurückzuholen:  „Simon, Jonas Sohn, hast Du mich lieb ?“ Noch einmal hatte Jesus Petrus ganz eindringlich und warmherzig angesehen.

Und er hatte geantwortet : Jesus, du weißt doch alles von mir, du weißt, dass ich Dich lieb habe!“ – und er hatte sich dabei ganz traurig gefühlt. Allmählich kommt Petrus zu sich, ja, er sollte aufstehen und den Frauen nachgehen, sie wollen den Leichnam Jesu noch versorgen, das war vor dem Sabbat nicht mehr möglich gewesen, und am hellen Tag würden sie vielleicht an diesem letzten Liebesdienst gehindert werden.

Aber er kommt doch noch nicht ganz los von dem Traum: Jesus hatte ihn nicht nur gefragt, sondern zum Schluss auch noch einmal angesprochen: „Weide meine Schafe“ – hatte er zu ihm gesagt. Es klang wie ein Vermächtnis: Kümmere Dich um die Menschen, die ich zurücklassen muß. Es haben sich mir so viele Menschen anvertraut, aber ich kann nun in diesem Leben nicht mehr für sie sorgen.

Kümmere Du Dich, Petrus, sorge für sie, weide meine Schafe.“ Bei diesem Gedanken wird er vollends wach: Ja, er will sich um die anderen kümmern, er will für die anderen sorgen, also muss er nun auch los, den Frauen helfen, ehe die anderen Jünger aufwachen. Und er will auch wissen, was aus Jesu Worten geworden ist, er werde den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen wieder aufbauen! Ob Jesus wirklich tot ist, oder ob er lebendig ist, so lebendig wie in dem Traum, der ihn, Petrus, nun immer weiter begleiten wird: „Weide meine Schafe!“

Audiobeitrag Der Traum des Petrus


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