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Schreck in der Morgenstunde
Liebe Hörerin, lieber Hörer! Die Festtage sind vorüber, die Stadt erwacht aus der Feiertagsruhe. Im Osten zeichnet sich ein zartes Morgenrot an die Wolken.
Die Stadttore werden geöffnet, Händler vom Umland ziehen mit ihren Karren in die Stadt. Auf dem Markt breiten sie ihre Waren aus. Frauen treten aus ihren Häusern. Frische Lebensmittel für ihre Familien müssen besorgt werden. Da fallen die drei Frauen nicht auf, die durch die engen Gassen gehen. Aber sie bleiben nicht stehen bei einem der Händler, die frische Früchte auslegen, Datteln, Zitronen, Trauben, sie biegen ab in eine der Seitengassen, die vom Basar weg zum Stadttor führen. Sie haben etwas zu erledigen, sie müssen noch zu Ende bringen, was sie vor zwei Tagen, als der Sabbat, der Ruhetag begann, nicht mehr ausführen konnten: Sie wollen den Leichnam ihres Lehrers versorgen und in sein Grab legen, wie es der Ordnung ihres Volkes entspricht. Es wird nicht ganz einfach sein, noch einmal in das Felsengrab hineinzukommen. Es liegt zwar nicht weit vom Hügel der Hinrichtung, Golgatha genannt, aber der Stein, der am Freitag vor das Grab gerollt wurde, ist für die Frauen eigentlich zu schwer. Und ob sich so früh an einem Werktag Helfer finden würden?
Das Problem löst sich auf unerwartete Weise: Sie finden das Felsengrab offen, der Stein ist beiseite gerollt, nichts hindert sie hineinzugehen. Im ersten Moment freuen sie sich darüber, dann aber schauen sie in das Grab hinein und sind entsetzt: der Leichnam ist nicht mehr da. Nun können sie nicht einmal mehr um Jesus trauern, denn für ihre Erinnerung haben sie keinen Halt mehr. Sie stehen starr vor Schrecken, und erkennen doch auf einmal eine Person, einen jungen Menschen in strahlendem Gewand, der spricht zu Ihnen: Erschreckt nicht, ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten; er ist auferweckt worden, er ist nicht hier. Geht hin und sagt seinen Jüngern, dass er ihnen nach Galiläa vorangeht, dort werden sie ihn sehen. Keiner weiß genau, was an diesem Morgen noch geschehen ist, Markus berichtet in seinem Evangelium von den Frauen nur noch kurz: Sie gingen hinaus und flohen von der Gruft, denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas, denn sie fürchteten sich. Mit diesen Worten endet das Markus-Evangelium. Auch Matthäus, Lukas und Johannes, die anderen Evangelienschreiber berichten kaum ausführlicher.
Was aber bedeutet dieses Geschehen wirklich? Was bringt der Glaube an die Auferweckung des Jesus von Nazareth Neues für die Welt? Später wird man sagen: Christus ist für die Sünden der Menschen gestorben, er hat sich zum Sündenbock machen lassen, nun ist Gott für alle Zeiten mit den Menschen versöhnt. Und bestätigt diese Versöhnung durch die Auferweckung Jesu. Aber solche Gedanken wiederholen nur die alten Vorstellungen von einem strengen Richter, von einem zornigen Gott, der versöhnt werden müsse durch ein Opfer. Tatsächlich aber hat Christus eine neue, lebensspendende Macht eingeführt, Gott als Güte. Mit Christus ist Gott als Güte den Menschen bekannt geworden. Von da an werden sie vor Gott keine Angst mehr haben müssen. Das werden sie nie mehr vergessen und ihr Leben neu und lebendiger führen können.
Schreck in der Morgenstunde
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