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Nur für einfache Leute?
Liebe Hörerin, lieber Hörer! Drei Frauen an einem Grab, und der Leichnam, den sie versorgen wollten, ist verschwunden. Zwei Jünger auf der Flucht aus Jerusalem.
Das soll der Anbruch einer neuen Zeit sein? Keiner hätte verstehen können, dass hier etwas Neues geschah. Wie auch. Die Jesus-Lobby war nicht unter den Reichen, Klugen, Mächtigen zu finden. Sie war eine Bewegung der kleinen Leute. Was Paulus an die Gemeinde in Korinth schreibt, viele Jahre nach diesen Ereignissen, stimmte zunächst für die Christen überall im römischen Reich:
Sprecher: Schaut doch auf eure eigene Berufung: Da gibt es nicht viele, die nach menschlichen Maßstäben weise, mächtig, von edler Geburt sind. Vielmehr, was in der Welt als töricht gilt, hat Gott sich erwählt, um die Weisen zu beschämen. Was schwach ist in der Welt, hat Gott sich erwählt, um zu beschämen, was stark ist. Und was in der Welt niedriger Herkunft ist und verachtet wird, was überhaupt nichts ist, hat Gott sich erwählt, um das, was etwas ist, zunichte zu machen. Denn vor Gott soll sich kein Mensch seiner selbst rühmen. (1.Kor.1, 26 29).
Diese Worte sind nicht gegen die Reichen und Angesehenen gerichtet, sie schließen sie auch nicht aus der neuen Gemeinschaft aus; Paulus beschreibt nur den Ist-Zustand. Die Reichen und Weisen rechnen sich eben noch nicht zu dieser Gruppe, und sie hätten es auch schwer, daran teilzunehmen. Die Armen und Rechtlosen genauso ernst und wichtig zu nehmen wie alle Menschen, das ist zu neu, zu fremd. Zwar hätten es gerade die gebildeten Leute wissen können, dass Gott in seiner Güte allen Menschen gleich nahe ist, denn Jesus, der Lehrer, hatte nur die alten Vorstellungen der Propheten aufgenommen und verbreitet: Alle Menschen sind bei Gott gleich angesehen. Auch der Apostel Paulus zitiert in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth einen Satz aus dem Jeremia-Buch, der damals schon 500 Jahre bekannt war:
Sprecher: Nicht Weisheit, Stärke oder Reichtum begründen wahren Ruhm vor den Menschen, sondern allein Gottes Güte läßt die Menschen zur Geltung kommen. (1. Kor. 1, 30) Und: Wer sich rühmen will, der rühme sich des Herrn.
Jesus hatte sich auch an die geistige Elite seines Landes gewandt, mit Schriftgelehrten diskutiert, bei Pharisäern als Gast an Gesprächen beim Essen teilgenommen, und Paulus hatte in Athen mit den Klugen und Geistreichen gesprochen; aber die Eliten, die hochgestellten und gebildeten Persönlichkeiten waren ihm keine besondere Zielgruppe für seine Lehre. Gehör gefunden hat er vor allem bei den Fischern und Bauern, den Hausfrauen und Handwerkern, den Kranken und Mittellosen. Mit ihnen hat er dann auch zusammengelebt und in ihrer einfachen Sprache gesprochen. So begann das Christentum als eine Bewegung der einfachen Leute, unscheinbar und doch stetig wachsend. Man hört oft, das Markenzeichen der Christen sei ihre Zuwendung zu den Armen, zu den Recht- und Mittellosen. Diese Aussage stimmt nicht ganz, sie übergeht das Wichtigste. Gewiss haben sich die Christen auch aus Mitleid und Barmherzigkeit den Armen zugewandt, wie auch in anderen Religionen milde Gaben aus Dankbarkeit für das eigene Leben selbstverständlich sind. Aber diese Mildtätigkeit dient nicht dazu, sich selbst ein ewiges himmlisches Leben zu erkaufen, sondern sie handelt einfach so, wie man in einer Familie im Allgemeinen miteinander umgeht, vertrauensvoll und hilfsbereit. Darum sagte man über die Christen in der ersten Zeit auch nicht: Seht, wie sie einander helfen! sondern: Seht, wie sie einander lieben!
Nur für einfache Leute?
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