Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.03.08, Prof. Reinhard Schmidt-Rost

Die Macht der Güte

Liebe Hörerin, lieber Hörer! „Mein Reich ist nicht von dieser Welt!“ hatte Jesus zu Pilatus beim Verhör gesagt: Ich bin ein König, aber nicht so,

wie Menschen sich einen König vorstellen, mit Militär und Ministern, mit Städten und Schlössern, sondern ein König, der durch seine Wirkung hervorragt, ein König, der mit Güte und Gerechtigkeit wirkt, nicht wie die Weltmächte sonst, auffällig, mit Pracht und Prunk, nein, mein Königreich wirkt in aller Stille, fast unbemerkt. Vorboten des Neuen hatte es schon lange gegeben, Menschen, die anders von Gott sprachen, als es in der alten Welt üblich war und auch heute in der Politik üblich ist: Beim Propheten Jeremia, fast sechshundert Jahre früher liest man:

Sprecher: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums. Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich erkenne, dass ich GOTT bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht GOTT.

Gott ist König nicht durch militärische Überlegenheit oder wirtschaftliche Kraft, nicht einmal durch Weisheit wie z.B. der König Salomo, sondern Gott wirkt durch Güte. Denken Sie jetzt: Güte ist doch ganz schwach, wie soll sie denn wirken können? Aber Güte kann etwas ganz besonders Wertvolles, etwas, das keine andere Kraft der Welt kann. Nur Güte hat die Kraft, Leben zu entfalten und zu bewahren, nur Güte kann die Gegensätze, ohne die es keine Vielfalt und kein Leben gibt, so verbinden, dass sie zusammen wirken können. Güte ist die Kraft des Entgegenkommens und der Vergebung.

Diese eigenartige Macht wurde von den Herrschern der Weltreiche immer schon als Konkurrenz erkannt und in der Person von Jesus Christus auch hingerichtet. Schon Jeremia, der Prophet, erntete mit seiner Botschaft keine Anerkennung bei den politischen Führern. Wenn Gewalt, Geld und Geist nicht mehr herrschen sollen, wer sorgt dann für Ordnung? So deren Meinung. Eine gütige Ordnung, ist das nicht Unsinn, ein Widerspruch in sich? Wie immer man die Auferstehung Jesu Christi von den Toten verstehen will, sie ist auf jeden Fall der Sieg der Güte über den Tod. Kampf, Krieg, Krankheit – alle möglichen Arten des Todes werden noch viel bewirken. Aber dem Leben werden sie nichts mehr anhaben können.

Die Ordnung der Welt ist umgestürzt, und inzwischen haben es alle sehen können: Früher sagte man: „Der Krieg ist der Vater aller Dinge.“ Christus aber setzt sein Leben ein als Zeuge für die gegenteilige Auffassung: Nicht mehr Stärke, Reichtum und Weisheit bringen Leben hervor,  Gewalt, Geld und Geist wirken in Menschenhand ohne Güte gegen das Leben.

Güte ist die einzige Macht, die vielfältiges und entwicklungsfähiges Leben hervorbringt. Durchgesetzt hat sie sich noch lange nicht, denn wer glaubt schon angesichts der vielen Niederlagen der Güte gegen die Gewalt, Geld und Geist, dass nur sie wirklich Leben hervorbringen und schützen kann?

Aber es bleibt dabei und Ostern hat es unmissverständlich ans Licht gebracht: Gott als Güte hütet das Leben und jeder Mensch kann dabei mitwirken, Gottes Güte weiterzugeben und zu Ansehen zu verhelfen.

Audiobeitrag Die Macht der Güte


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