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Gott segne dich
Er sagt: Gott segne dich! Ich sitze nicht im Gottesdienst, sondern stehe am Eingang zum Supermarkt. Und der, der das sagt, ist kein Pfarrer,
sondern der Verkäufer einer Obdachlosenzeitschrift. Wir kennen uns. Er steht oft vorm Supermarkt. Und ich kaufe oft da ein. Einmal im Monat auch die neueste Ausgabe seiner Zeitschrift. Ansonsten nicke ich ihm meist stumm zu. Und er nickt zurück. Selten sage ich mehr zu ihm als: Ich hätte gern eine. Und: Der Rest ist für Sie! Dann sagt er Danke! und verzieht seinen Mund zu einem feinen Lächeln.
Ich mag ihn, obwohl ich ihn fast gar nicht kenne. Ich mag es, dass er nicht so demütig tut. Ich mag es, dass er irgendwie selbstbewusst wirkt, beinahe stolz. Und ich mag es, dass er manchmal Gott segne dich! zu mir sagt. Nicht immer, nur manchmal.
Ich weiß noch, was ich gedacht habe, als ich es zum ersten Mal aus seinem Mund gehört habe: Was weiß der wohl vom Segen? Der ist schließlich ganz unten. Ganz überrascht habe ich ihn angesehen. Und er hat zurück geguckt: Mir direkt in die Augen, mit seinem Stolz. Da habe ich begriffen: So tief unten ist der gar nicht, bloß weil er wenig Geld hat. Der weiß irgendwie, dass er sich auf Gott verlassen kann, trotz allem Mist, der ihm im Leben passiert ist. Der fühlt sich trotzdem von Gott gesegnet. Und davon gibt er manchmal gerne etwas ab: Gott segne dich! Auch an mich.
Sprecherin: Christiane Birgden
Gott segne dich
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