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Abkassiert
Sie haben abkassiert! Seit Jahren haben sie Unsummen am deutschen Fiskus vorbei geschleust und in Liechtenstein gewinnträchtig angelegt.
Gut, dass man sie jetzt erwischt hat! Doch die Empörung und das Triumphgeheul in Politik und Gesellschaft hat für mich auch einen faden Beigeschmack. Denn ich habe den Eindruck, dass uns als Gesellschaft hier ein Spiegel vorgehalten wird. Und wir stehen da und zeigen empört mit dem Finger auf die Bösewichte. Dabei sind das gar nicht nur die großen Manager, sondern es sind auch ganz gewöhnlichen Menschen dabei, die ihr Erspartes oder Ererbtes in Liechtenstein solide angelegt haben.
Erinnern Sie sich noch an ihre letzte Steuererklärung? Ich schon: Stundenlang saß ich am Schreibtisch, wühlte mich durch die Unterlagen, tippte Zahlen in den Computer ein und dabei wurde mir immer wieder der Gedanke eingetrichtert: Du kannst Steuern sparen! Alle Beratungsliteratur, jedes Steuerprogramm richtet einen geradezu darauf ab, mit legalen, aber eben auch jeder Menge halblegaler Tricks, möglichst viel Steuern zu sparen. Beim Geld ist es mit der Solidarität halt vorbei: Da gewinnt, wer am besten trickst. Und den Staat zu bescheißen hat eigentlich keiner ein schlechtes Gewissen, schließlich ist man selber ja nur ein kleiner Fisch: die Großen, ja bei denen ist das schlimm, da geht es ja um etwas, aber bei mir doch nicht! Ich verdiene nicht viel, da gibt es eh nicht viel zu holen. Da habe ich doch schon fast moralisch ein Recht, mir mehr zu nehmen, als mir zusteht, selbst wenn ich dafür vielleicht ein wenig tricksen muss.
Auch ich glaube, dass unser Steuersystem gegenüber denen, die wenig verdienen ungerecht ist. Aber heißt das denn schon, dass Steuerbetrug zum Volkssport werden muss? Nun, ich möchte hier keine Moralpredigt halten. Schließlich kann auch ich mich dem kaum entziehen. Und das Steuerrecht mit all seinen Unklarheiten fordert geradezu dazu auf, nach Lücken zu suchen, die einem erlauben, das Beste rauszuschlagen.
Aber ich habe schon den Eindruck, dass an der Art und Weise wie wir in unserer Gesellschaft mit Geld und Besitz umgehen, etwas von Grund auf schief läuft. Dass dann die mit viel Geld, zu etwas größeren Tricks greifen, wundert mich eigentlich nicht. Aber wer daran etwas ändern will, der muss bei sich selber anfangen und nicht zuerst zu fragen: Was machen denn die anderen alles falsch? Auch hier gilt das alte biblische Sprichwort: Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge siehst du nicht?
Statt des üblichen Zeigefingerreflexes - Die da sind die Bösen! - sollten wir vielleicht anfangen über unseren Umgang mit Geld nachzudenken. Nicht Geld, nicht unser Besitz sollte bestimmen, wie wir leben. Sondern Geld und Besitz sind uns anvertraut, um damit etwas Gutes zu tun sicher, auch uns selbst, aber eben auch den anderen. Diese Einsicht immerhin, sollte uns als Christen nicht fremd sein.
Abkassiert
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