Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.02.08, Pfarrer Stephan Kiepe-Fahrenholz

Warum hast du nichts gelernt

Musik: Die Ärzte, Junge; aus: Jazz ist anders, Track 6, © 2007 Hot Action Records, LC-Nr. A710286-01 Musik: „Junge, warum hast du nichts gelernt?

Guck dir den Dieter an, der hat sogar ein Auto…“

Autor: Klischees, so fett, dass man schon wieder drüber lachen kann, werden von der Berliner Band Die Ärzte zum Thema Generationenkonflikt aufgetischt. Hilflos mit den Schultern zuckende Eltern. Der Sprössling, der statt zu lernen auf der Gitarre herumklimpert und sich die Haare färbt. Ratschläge, die so gut gemeint sind und in ihrer Betulichkeit doch so lächerlich rüberkommen:

Musik: „… Warum gehst du nicht zu Onkel Werner in die Werkstatt, der gibt dir ’ne Festanstellung, wenn du ihn darum bittest…“

Autor: Und so redet man erst aufeinander ein, und dann aneinander vorbei, bis schließlich die Türen knallen.

Musik: „… Und wie du wieder aussiehst, Löcher in der Hose, und ständig dieser Lärm…“

Autor: Spätestens da vergeht mir das Lachen wieder, denn ich bin auch Vater und mein’s tatsächlich gut. Und dass ich all und jedes, was die nächste Generation so tut und lässt, verstehen muss, finde ich ziemlich viel verlangt. Und selbstverständlich frag’ ich mich manchmal:

Musik: „… Wo soll das alles enden? Wir machen uns doch Sorgen…“

Autor: Aber darum geht’s eigentlich gar nicht. Ich kenne keinen einzigen jungen Menschen, der es lachhaft findet, wenn sich Eltern Sorgen machen. Schwierig und problematisch bis zur Sprachlosigkeit wird’s erst, wenn die Älteren die Jüngeren nachträglich nicht groß werden lassen wollen -

Musik: „… Und du warst so ein süßes Kind, du warst so sü߅“

Autor: - oder, noch schlimmer, die eigene Ratlosigkeit nicht anders als mit Vorurteilen und Vorwürfen zum Ausdruck bringen können:

Musik: „… Und immer deine Freunde, ihr nehmt doch alle Drogen – und ständig dieser Lärm. Was sollen die Nachbarn sagen? – denk an deine Zukunft, denk an deine Eltern – willst du, dass wir sterb’n?“

Autor: Es ist schwer, Vater und Mutter zu ehren, wenn diese die moralische Keule herausholen. Zumal es dafür kaum eine Rechtfertigung gibt, wenn man sich anschaut, was der nachwachsenden Generation heute an Zukunftschancen eingeräumt wird. Jung und Alt – die müssen sich gegenseitig immer wieder neu entdecken. Rezepte gibt’s dafür nicht. Und erzwingen lässt sich da nichts. Da muss man dran arbeiten. Und als Vater und Mutter ab und zu in den Spiegel gucken – auch in den, den uns die Ärzte vorhalten.

 

Audiobeitrag Warum hast du nichts gelernt


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