Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

29.02.08, Pfarrer Stephan Kiepe-Fahrenholz

Heath Ledger

„Ich finde es echt traurig, dass er - unter welchen Umständen auch immer - so jung ge-storben ist! Da wird einem wieder richtig bewusst, wie kostbar doch das Leben ist,

ich bin selbst nur ein Jahr älter und irgendwie geht mir das voll nahe. Man denkt ja doch, man kennt so einen Menschen, der in der Öffentlichkeit steht.“

Die da echt traurig ist, heißt Karin und macht sich im Internet Gedanken um den australischen Schauspieler Heath Ledger, der Ende Januar gestorben ist. Nur 28 Jahre alt ist er geworden, ein junger Mann, der gerade anfing, berühmt zu werden, und sich zum Beispiel in dem Oscar-gekrönten „Brokeback Mountain“ als guter Schauspieler bewiesen hatte.

So einer wird nun leblos aufgefunden, und die Haushälterin weiß nicht, was sie machen soll, und irgendeine Bekannte ruft nach der Security, und bis überhaupt mal jemand kommt, ist alles längst zu spät. Aber ein Drogenproblem soll er gehabt haben, na klar, oder vielleicht auch nicht. Zu viele Medikamente waren wohl im Spiel, irgendwas gegen eine Lungenentzündung, oder doch Antidepressiva. Denn er hatte sich ja schließlich von seiner Verlobten getrennt, und ein Kind gab’s auch noch. Nun wirft er sein Leben weg – oder war’s am Ende doch bloß ein tragischer Unfall?

Zu spekulieren und zu schreiben gibt’s jedenfalls in Hülle und Fülle, wenn ein Star so jung stirbt, den Besucherquoten seines eben noch abgedrehten Batman-Films wird das nicht gerade schaden, und der inszenierte Rummel um Ledgers Beerdigung könnte darauf schließen lassen, dass er vielleicht ein ziemlich einsamer Mensch gewesen ist.

Aber das kann keiner wirklich wissen. Auch nicht Karin aus dem Internet, die zwar „echt traurig“ ist, aber eigentlich nicht, weil Heath Ledger gestorben ist, sondern ihr Bild von ihm. „Man denkt ja doch, man kennt so einen Menschen“, schreibt sie, obwohl sie einen wildfremden australischen Altersgenossen selbstverständlich gar nicht kennen kann.

Dass wir alle uns zunehmend einbilden, ganze Legionen von mehr oder weniger prominenten Menschen wie unsere Westentasche zu kennen, verdankt sich ja keiner einzigen echten Begegnung zwischen zwei Menschen, sondern einer weltumspannenden Multimediashow, die vierundzwanzig Stunden in Betrieb ist und zunehmend das Leben ersetzt.

Der Tod, zumal der viel zu frühe, ist immer schrecklich und nicht erst, wenn ein junger Schauspieler stirbt. Der Tod ist aber, jedenfalls für Christen, immer auch die Erinnerung daran, dass kein Ruhm, keine Leistung, kein noch so ausgeprägtes Können uns davor schützen, dass wir samt unsrem Tun und Lassen früher oder später einem Ende zugehen. Dass ich damit leben kann, verdanke ich Menschen aus meiner nächsten Umgebung, die mich lieben, die sorgsam mit mir umgehen, und die mir umgekehrt die Chance geben, mit anderen liebevoll und sorgsam umzugehen. Daran wird mir immer wieder „richtig bewusst, wie kostbar doch das Leben ist“ – und nicht am Tod eines Prominenten.

Audiobeitrag Heath Ledger


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