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Nichtraucher
Was mach ich denn jetzt? Der Kollege raucht. Er raucht einfach weiter. Jedenfalls am Schreibtisch bei sich im Büro. Und wenn ich da rein muss,
haut mir die blaue Wolke auf die Lunge. Und die Kippe nach Dienstschluss wird auch grundsätzlich schon auf dem Flur angezündet. Dass ich das bis auf die Toilette rieche, glaubt er nicht.
Geraucht, oder ehrlich gesagt: Gequarzt wie ein Schlot hab ich selbst bis vor sieben Jahren. Dass mir inzwischen schlecht wird, wenn ich den Qualm bloß wittere, glaubt mir keiner, am wenigsten die Raucher. Nun ist seit Anfang des Jahres das Rauchen in öffentlichen Gebäuden verboten. Das kommt mir wie geschaffen. Statt der ewigen Appelle und Diskussionen kann ich ja, was kann ich denn eigentlich?
Soll ich die Behörden bemühen gegen Leute, mit denen ich jeden Morgen neu konstruktiv zusammen arbeiten will und muss? Soll ich den Klageweg beschreiten wie neulich irgend so eine Nichtraucher-Initiative gegen den Altkanzler Helmut Schmidt? Der raucht bekanntlich überall: im Theater, im Lokal und als einziger Bundesbürger immer noch öffentlich im Fernsehen. Seine Begründung lautet lapidar, dass er sich von niemandem das Rauchen verbieten lässt. Punkt.
Das ist natürlich rücksichtslos. Das lässt aber mindestens auch erahnen, dass es beim nunmehr fast flächendeckend verbotenen Rauchen noch um mehr geht als um eine dumme Unart, die sich die Raucher aus purer Gedankenlosigkeit nicht abgewöhnen wollen. Einer wie Schmidt, der das Rauchen ums Verrecken nicht lassen kann, ruft uns in Erinnerung, dass wir es hier mit einer Suchtkrankheit zu tun haben. Was Raucher einsehen, ändern und zugestehen müssen, ist ja alles richtig. Aber - können sies denn einfach mal eben so?
Alles was ihr wollt, das euch die Leute tun, das tut ihnen auch. Das hat Jesus mal gesagt und damit an die einfache, aber manchmal unbequeme Wahrheit erinnert, dass man die elementaren Regeln des menschlichen Zusammenlebens mit Gesetzen und Verboten allein grundsätzlich nicht erzwingen kann. Wenn ich als Nichtraucher mit Recht Rücksicht fordere, dann muss ich mir klarmachen, dass das bei meinem rauchenden Gegenüber leider keine bloße Frage des guten Willens ist. Dazu gehört freilich auch, dass ich die Krankheit als Krankheit erkenne und benenne. Da gehts um nichts anderes als beim Alkoholismus oder bei der Drogensucht,
Die moderne Drogentherapie hat sich schon seit längerem vom so genannten harten Entzug verabschiedet. Natürlich gehts bei der Suchtbekämpfung nicht ohne klare Regeln. Aber ohne viel Geduld, viel Gespräch und viel gegenseitige Offenheit gehts auch nicht. Beim Rauchen, auch eine Suchtkrankheit, wird das nicht anders sein. Und wenn das einer in den Griff bekommt, dann weniger, weils ein neues Gesetz gibt, sondern weil ein Ich und ein Du gemeinsam was geändert haben. Die Frage, was passieren muss, damit wirs miteinander aushalten, wird nicht im Bundestag beantwortet, sondern von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, und von mir.
Nichtraucher
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