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Vertrauen
Wem kann man heute noch richtig trauen? Dem ADAC, sagen die meisten Bürger. Der hält seine Versprechen. Und kommt, wenn man ihn braucht.
Wie aber das Leben aussieht, wenn Vertrauen enttäuscht wird, davon weiß jeder seine eigenen Geschichten zu erzählen. Es ist schon haarig, wenn das Amt einem versprochen hat, die Unterlagen morgen zuzuschicken. Und sie sind fünf Wochen später noch nicht da.
Noch schwieriger wiegt, wenn mir Versprechen gegeben werden, deren Einlösung ganz wichtig für meine eigene Zukunft ist. Wenn die nicht gehalten, also gebrochen werden, kann das ganz schön verunsichern. Und misstrauisch machen. Meine Rente zum Beispiel: In der Misstrauens-Hitparade politischen Parteien gegenüber- laut Umfragen -: Ganz weit oben. Oder das Eheversprechen, das viele von uns einmal laut gesagt haben: Also, wenn da Lügen und Heimlichkeiten einbrechen, entsteht ein großer Vertrauensverlust. In den Partner. Ins Leben. Und dann wohl auch in Gott.
Immerhin hat auch die Kirche noch einen ganz guten Ruf. Steht in Vertrauensbekundungen weit oben, hinter dem ADAC und Greenpeace. Sie verspricht alle möglichen Hilfen, Tauffeiern mit schönen Kerzen und Trauerreden mit schönen Worten. Und erfüllt wohl hoffentlich meistens ihre Angebote. Oder doch nicht immer? Wie viele Enttäuschungen hat auch die Kirche Menschen schon zugefügt: Unzuverlässigkeiten, Verletzungen, Oberflächlichkeiten. Kirche sind eben Menschen. Und Menschen versagen bei manchen ihrer Zusagen. Auch im Gotteshaus.
Aber selbst wenn man menschliche Schwächen noch nachsehen kann, Vertrauensverluste in Gott sind nur ganz schwer wieder zu reparieren. Wer sich von Oben her vernachlässigt, übersehen, schmerzhaft geprüft, gar bestraft empfindet, dessen Misstrauen in ein behütetes Leben wächst und kann rundum grenzenlos werden. Enttäuschungen in der Kirche sind dann manchmal nur ein zusätzlicher Beweis dafür, dass auch dort schönen Versprechungen nicht unbedingt immer zu trauen sind. Ich bin auch schon von der Kirche enttäuscht worden. Also von Menschen, die sie vertreten. Gerade wenn man selber in ihr arbeitet, kriegt man mehr auch von ihren Schattenseiten mit, als wenn man nur vor der Kirchentür die bunten Plakate im Schaukasten bewundert. Ich habe drinnen auch erlebt, wie Unzuverlässigkeiten Veranstaltungen platzen ließen. Oder Menschen einen ganz freundlich ansahen, während sie schon Überlegungen zum Mobbing hegten.
Wem ich in solchen Momenten dann noch getraut habe? Das waren alte Bibelsprüche und das waren alte Kirchenlieder. Menschen vor unserer Zeit sind ja nicht weniger wie wir durch gebrochene Versprechen und missbrauchtes Vertrauen geprüft worden. Aber augenscheinlich sammelten sie schon damals einen Schatz an Worten an, der ihrer Seele zum Überleben verhalf. Also ich sag jetzt mal Psalm 27,1: Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich dann noch Angst haben? Über Jahrhunderte hin gab man sich diesen Spruch weiter, doch wohl aus der Überzeugung heraus, dass vieles ins Wanken geraten und enttäuschen kann, Gott selber aber auch durch diese Zeiten hindurch zugewandtes Licht bleibt. Das kann man natürlich erst mal nicht beweisen. Aber man kann einladen, inmitten von maßlosem Schmerz auch selber einmal auf diese unverbrüchliche Zusage zu setzen.
Und davon ist nicht nur die Bibel randvoll. Im Gesangbuch steht ein Liedvers, der wurde 1641 geschrieben und hat in meinem Leben mehr als einmal zu mir gesprochen: Denk nicht in deiner Drangsalshitze, dass du von Gott verlassen seist und dass ihm der im Schoße sitze, der sich mit stetem Glücke speist. Die Folgezeit verändert viel und setzet jeglichem sein Ziel. Den habe ich mir vor allem dann immer wieder laut aufgesagt, wenn ich mich getäuscht und von anderen verschaukelt gefühlt habe. Und die noch einen Reibach auf meine Kosten gemacht haben. Man braucht natürlich manchmal ein bisschen Geduld. Aber eines Tages war so mancher Bösewicht tatsächlich aus meinem Leben verschwunden. Unbekannt verzogen. Ist doch verständlich, dass inzwischen Gott bei mir noch vor dem ADAC steht, oder nicht?
Vertrauen
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