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Bewahrung
Wahrscheinlich ist für die meisten von Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, heute ein ganz normaler Arbeitstag. Zu Hause oder woanders.
Nur, dass er vielleicht ein bisschen früher aufhört als sonst und sich dann in den liebsten Abend der Woche verwandelt: Freitag ist inzwischen in Deutschland beliebter als der Sonntag, lässt er doch mit angenehmen Gefühlen in das Wochenende hineingleiten. Aber so ganz normal ist heute der 29.Februar nun auch wieder nicht. Alle vier Jahre taucht er nur auf; und Menschen, die an ihm geboren werden, wissen nie so ganz genau, ob sie vor- oder nachfeiern sollen. Oder gleich ihre Jahreszahl immer mit vier multiplizieren.
Ich wüsste schon eine besondere Verwendung für den 29.Februar. Es gibt ja inzwischen für fast alles Sondertage. Tag des Kindes und des Wassers, Weltspartag und Buchlesetag. Aber etwas hat mir bei all dem Gedenken bisher gefehlt und ich finde, wenigstens alle vier Jahre würde sich der 29.Februar hervorragend dazu eignen. Der ist nicht ständig, kommt aber immer wieder. Was hielten Sie also von einem Gedenktag der Bewahrung vor einem Selbst? Man könnte ihn auch Selbstbewahrungstag nennen. Das ist kürzer und lässt sich leichter merken.
Gerne will ich Ihnen heute Morgen meinen Vorschlag erläutern: Also, wir Menschen müssen ja in Allgemeinen ziemlich viel selbst entscheiden. Augen auf bei der Berufswahl, hat mir einmal ein wohlmeinender Onkel zugerufen. Oder dann die Wahl für einen Menschen, den man ein Leben lang an seiner Seite haben will. Entscheidung für einen Wohnort. Einen Urlaubsort. Einen Hobbyort. Das alles ist reizvoll. Es ist aber auch furchtbar schwer, manchmal sogar gefährlich. Wir wissen nämlich sehr wohl, dass wir nie alle Folgen unserer Wahl überschauen können. Also immer auch ein hohes Risiko verbunden ist mit allem, wofür wir uns entscheiden. Ein weiser Schweizer Seelsorger hat einmal geschrieben: Wenn Gott grausam sein wollte, so müsste er uns nur einen Tag lang unsere eigenen Wege gehen lassen. Nun weiß die Bibel über allem von einem fürsorglichen Gott zu reden. Und das hieße doch im Umkehrschluss, dass es seinem besonderen Interesse an uns entspricht, wenn er hin und wieder unseren Entscheidungen in die Arme fällt.
Ich könnte einige Geschichten zum Besten geben, in denen ich mir hundertprozent meiner Einschätzungen sicher war. Zum Beispiel, wo ich am erfolgreichsten meinen Beruf ausüben könnte. Wer mein allerbester Freund sein würde. Welche meiner Begabungen ich am ehesten ausbauen sollte. Aber offensichtlich war in manchen dieser Situationen Gott anderer Meinung als ich. Denn was ich - manchmal auch unter blindem Eifer - unbedingt in die Tat umsetzen wollte, sollte sich oft genug am Ende als Fiasko herausstellen. Manchmal aber kam es zum Glück erst gar nicht zu einem massiven Reinfall, weil ich nicht in ein Amt gewählt wurde, oder der erwählte Freund von sich aus nichts mehr mit mir zu tun haben wollte. Wie habe ich dann zunächst oft genug gehadert, dass sich meine Träume nicht erfüllten. Bis ich - oft allerdings erst nach geraumer Zeit - verstanden habe, vor was für einem Unheil ich bewahrt geblieben bin: Nämlich einer Tätigkeit, für die ich überhaupt nicht brauchbar gewesen wäre oder eine Beziehung, die mich Nerven und viel Geld gekostet hätte. Hätte ich meinen Kopf auf Gedeih und Verderb durchgesetzt, wäre er mir mit Sicherheit ganz schön gekürzt geworden.
Der Schweizer Seelsorger, von dem ich eben schon erzählte, hat auch das Bonmot geprägt, dass es immer besser sei, in Gottes Hand zu sein, als dass einen andere in ihre Finger zu kriegen. Und ich möchte hinzufügen: Selbst wenn es am Ende die eigenen wären. Diese Bewahrung vor einem selbst mag, wie gesagt, nicht immer auf Anhieb einleuchtend sein. Aber wenn Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, immer am 29.Februar die wichtigsten Entscheidungen der letzen vier Jahre durchgehen, werden sie neben mancherlei eigenen Erfolgen doch wohl auch dankbar feststellen, dass Gott Ihnen zu Ihrem Glück selbstgewählte Wege verbaut - übrigens dann aber auch von Ihnen nicht gesehene völlig neu eröffnet hat. Und als biblisches Motto würde ich dem 29.Februar schließlich einen Vers aus dem Sprüchebuch widmen wollen: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber Gott allein lenkt seinen Schritt.
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