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Besserung
Christen sind die besseren Menschen. Naja, ganz so weit will ich dann doch nicht gehen. Denn jeder von uns könnte genügend Gegenbeispiele aus der Tasche ziehen.
Christenmenschen bleiben eben - Menschen. Mit all ihren Macken, Schwächen und Unzulänglichkeiten. Aber was ich trotz aller Enttäuschung dennoch ganz festhalten will: Christen haben gute Chancen, zu besseren Menschen zu werden. Und von der Möglichkeit dieses Wunders will ich heute erzählen.
Vielleicht fange ich dazu am Besten mit der Erfahrung an, dass Christen ihre Grenzen kennen. Schwächen also erfahren - und trotzdem ganz munter weiterleben können. In unserer Gesellschaft hat sich eher eine gegenteilige Haltung breit gemacht: Bloß keine Fehler machen und wenn, dann sie ja nicht zugeben. Das ist aber ein ziemlich mühseliges Geschäft. Und es macht am Ende richtig krank. Ständig muss man auf der Lauer sein, vor anderen, aber vielleicht am meisten vor sich selbst. Vor meinen Macken und meinen Schwächen. Nun sind wir aber - soll ich sagen: Gott sei Dank? - noch nicht seelenlose Maschinen vom Fließband. Wir sind sehr begabt, wir sind aber auch sehr fehlbar. Und über manche unserer Schwächen könnte man tatsächlich manchmal regelrecht verzweifeln. Wenn, ja wenn der christliche Glaube nicht sagen würde: Du bist Gott lieb, so wie Du bist.
Das ist schon eine große Befreiung. Ich brauche mich nicht mehr zu überschätzen. Aber ich muss mich auch nicht mehr verstecken. Ich kann mit mir aufrichtig umgehen. Und das öffnet nun doch einen Spalt in das Besserungszimmer. Zum einen muss ich nämlich über meine Fehler nicht mehr restlos verzweifeln. Was habe nicht auch ich gerade in meinem Beruf alles falsch gemacht; bin Menschen vieles schuldig geblieben und habe oft genug aufs falsche Pferd gesetzt. Aber siehe da: Ich habe diese Reinfälle auch alle irgendwie überlebt. Nicht etwa, weil ich sie clever vertuscht hätte. Sondern weil ich spürte: Gott verstößt mich nicht, weil der letzte Tag daneben ging. Und: Dass der heutige Tag wieder gelingt, liegt deshalb nicht an mir, sondern ganz bei Ihm.
Werden wir also nicht wirklich ein bisschen besser - übrigens auch weiser - wenn wir uns selber relativieren? Wenn wir wissen und auch dankbar dafür sind, dass viele eigene Erfolge eben nie ganz auf eigenen Leistungen beruhen? Und umgekehrt viele Misserfolge nie ganz Kopf und Kragen kosten müssen? Diese Überzeugung kann große Gelassenheit dem Leben gegenüber schaffen, Vertrauen auf die Zukunft und Neugier auf Gottes Überraschungen. Und im Übrigen auch humorvolle Bescheidenheit, heitere Gelassenheit mit sich selbst.
Und dann ist doch wohl der nächste Schritt zur Besserung, dass man dieses Lebenskonzept durchaus auch dem Mensch neben sich zubilligt. Der andere ist dann nie ganz mein Feind, wenn er sich auch manchmal so verhält. Er oder auch sie sind aber auch nie ganz ein völlig erdrückendes Vorbild, so glamourös sie auch immer auftreten mögen. Sie leben keinen Deut weniger von Gottes Gnade als ich, beschenkt, getragen und - vergeben. Bessere Menschen wissen das. Zumindest ahnen sie ab und an etwas davon. Christenmenschen können es sich deshalb in aller Freiheit leisten, in offenem, ehrlichem und immer wohlwollendem Gespräch anderen zu begegnen. Sie nie ganz festlegen auf ihre Schattenseiten oder ihren Glanz. Also vor allem anderen Gottes Möglichkeiten in ihnen sehen. Und wenn diese Stimmung von unserem Gegenüber als wohltuend empfunden wird, sind wir dann nicht in der Tat auf dem Weg zur Besserung wieder einen kleinen Schritt weitergekommen?
Besserung
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