Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

10.02.08, Bettina von Clausewitz

Disco-Gottesdienst "Beten kann man überall"

Musik: Felix Mendelssohn - Bartholdy, Die Orgelsonaten Op. 65 von Rudolf Heinemann, Label: Che, 1. Juli 2000, EAN 4010072010827, Track 21, Fuga Sostenuto e Legato

Autorin: Hände falten, Augen schließen und demütig auf die Knie gehen, das ist die traditionelle Vorstellung vom Beten, am besten bei schummerigem Kerzenlicht in einer alten Kirche mit Buntglasfenstern. Andacht in klassischer Form. Aber es geht auch anders!

Musik: Orgelmusik – Kreuzblende: Gospelmusik, Mitschnitte aus dem Gottesdienst 

Autorin: Abendgottesdienst in einer Diskothek in Essen, traditionell mit Predigt, Liturgie und Vaterunser. Trotzdem ist das Ambiente hier völlig anders. An den Bars vor der Bühne stehen Besucherinnen und Besucher und nippen an Cola oder Bier, gut gestylt, manche mit Piercing im Bauchnabel und Zigarette in der Hand. Andere, die nur zum Gottesdienst ausnahmsweise mal in die Disco gekommen sind, sitzen auf Stühlen mitten auf der Tanzfläche.

O-Ton: Wir sind hier versammelt im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes – Amen. Lasst uns miteinander den Psalm beten - vielleicht könnt ihr ein bisschen Licht für die Leute mitten im Saal machen, damit die das mitbeten können. “ Das Volk, das im Finstern wandert, sieht ein großes Licht  .“    

Autorin: Beten in der Disco, wo sonst eher Anbaggern, Bierseligkeit und blanke Haut angesagt sind, wie passt das zusammen? Pfarrer Steffen Hunder, Initiator dieses Gospel-Gottesdienstes in einer Essener Disco, ist nicht nur als Krimiautor, sondern vor allem für Veranstaltungen an ungewöhnlichen Orten bekannt,  hier mit der Gospel-Rock-Gruppe „Good News“ aus Moers-Kapellen. Schließlich hat auch der Wanderprediger Jesus auf Bergen, Schiffen oder Markplätzen gepredigt.          

O-Ton: „Das ist doch wunderbar, mitten unter den Menschen zu sein, das Evangelium unter die Leute bringen, das ist, glaube ich, heute dran!“

Autorin: ... meint Steffen Hunder, während im Hintergrund schon die Stühle von der Tanzfläche geräumt werden, für den Normalbetrieb, der gleich beginnt. Einige „reguläre“ Disco-Besucherinnen und Besucher sind heute extra etwas früher gekommen, andere Gäste bestellen jetzt noch schnell  ein Bier an der Bar, bevor sie gehen. Zeit für Kommentare zu dem ungewöhnlichen Event:  

O-Ton–Collage: Er: Ja, das ist mal etwas anderes. Nicht immer nur laute Musik zu hören, ist ganz toll. Sie: Ich meine, es gibt keinen falschen Platz um zu beten, und das ist in Ordnung..Sie: Ich finde es sehr gut, wenn die Gemeinde nicht in die Kirche kommt, dass man zur Gemeinde geht. Und man sieht ja, es ist voll.. Er: Ein bisschen skurril ist es schon, aber es war auf jeden Fall interessant. 
        

Autorin: „Beten kann man überall“ ... Im biblischen Monatsspruch für den Februar erzählt der Evangelist Markus davon, was Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern gesagt hat:  „Alles was ihr bittet in eurem Gebet, glaubt nur, dass ihr’s empfangt, so wird’s euch zuteil werden,“ heißt es da. Keine Ortsangabe, kein Händefalten sind vorgegeben, wohl aber eine innere Haltung  -  Glauben und sicher auch Demut.

Musik: Mitschnitt aus dem Gottesdienst

Audiobeitrag Disco-Gottesdienst "Beten kann man überall"


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