Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.02.08, Pfarrerin Birgit Winterhoff

"Wege"

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,„Keinen Weg lässt uns Gott gehen, den er nicht selbst gegangen wäre, und auf dem er uns nicht vorausginge.“

Dieses Wort des Theologen Dietrich Bonhoeffer hat mich in den letzten Wochen in unterschiedlichen Situationen begleitet. Leben heißt: unterwegs sein. Nicht umsonst sprechen wir vom Lebensweg.

Manche Wegstrecken sind problemlos. Das sind die Zeiten, in denen alles glatt läuft. Keine Konflikte. Keine Probleme. Jedes Vorhaben gelingt. Alle Ziele werden erreicht. Man könnte die ganze Welt umarmen. Solche Zeiten lieben wir.  

Auf anderen Wegstrecken sieht man nicht auf Anhieb, wohin der Weg führt. Da können angenehme oder auch unangenehme Überraschungen lauern. Zeiten der Freude oder Zeiten der Resignation, Zeiten des Glücks oder Zeiten des Leides liegen nahe beieinander. Ich erlebe das immer wieder in Familien, wo innerhalb von kurzer Zeit ein alter Mensch stirbt und ein Kind geboren wird.  

Auf manchen Wegstrecken häufen sich Konflikte und Problem. Da läuft eben nicht alles glatt. Da sind Geduld, Stehvermögen und Konfliktfähigkeit gefragt. Da sind  immer wieder neue Anläufe nötig, um ein Ziel zu erreichen. Und manchmal endet ein solcher Anlauf schnurstracks wieder in einer Sackgasse. Zeiten, die im Leben Spuren hinterlassen. 

Und da sind die Wegstrecken, die ständig zu neuen Entscheidungen herausfordern. Sozusagen Wegegablungen des Lebens. Die Berufswahl. Die Wahl des Ehepartners. Lebenswege sind nicht immer bequem. Man muss die unterschiedlichsten Situationen bewältigen, sich den Hindernissen und Herausforderungen stellen und Entscheidungen treffen. Als Christen wissen wir, dass wir nicht allein unterwegs sind. Wir haben einen Wegbegleiter. Jesus Christus. Der Glaube an ihn hält und trägt und ermutigt, meinen Weg zu gehen, Schritt für Schritt, weil es Schritte an Gottes Hand sind. Gut, dass Gott uns keinen Weg gehen lässt, auf dem er uns nicht vorausgeht.

Im vergangenen Jahr hat die evangelische Kirche den 400. Geburtstag des großen Liederdichters Paul Gerhardt gefeiert. Viele Lieder des Glaubens verdanken wir ihm. Zu seinen bekanntesten gehört ein Lied über den Lebensweg, über den gelingenden Lebensweg. 
„
Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. Weg hast du allerwegen, an Mitteln fehlt dir´s nicht; dein Tun ist lauter Segen, dein Gang ist lauter Licht; dein Werk kann niemand hindern, dein Arbeit darf nicht ruhn, wenn du, was deinen Kindern ersprießlich ist, willst tun.“

 

Audiobeitrag "Wege"


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