Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.02.08, Pfarrerin Birgit Winterhoff

"Was zählt?"

Guten Morgen, liebe Hörerin, guten Morgen, lieber Hörer,es war im Urlaub an der See. Im Nachbarstrandkorb schmiert ein Vater seine kleine Tochter mit Sonnenmilch ein.

„Papa, warum müssen wir unsere Haut im Sommer vor der Sonne schützen?“ Ha triumphiert der Vater. Endlich einmal eine Frage, die ich leicht beantworten kann. „Ja, wir müssen uns schützen, denn die Sonne sendet Strahlen aus, die unserer Haut schaden können.“ „Warum?“ „Die Strahlen sind eben schädlich. Sie können die Haut  verbrennen.“ „Warum?“ Puh, denkt der Vater, warum? „Sie sind eben gefährlich, so ähnlich wie Feuer.“ „Warum verbrennen wir dann nicht alle?“ „Das Feuer verbrennt uns ja auch erst, wenn wir ihm zu lange zu nahe kommen.“ „Wie macht das Feuer das?“

Der Vater kommt langsam ins Schwitzen. „Ach, weißt du, das ist noch zu kompliziert für dich. Das hat mit Atomen zu tun und so…“ „Papa, was sind Atome?“ Kinder können einem schon ein Loch in den Bauch fragen. Es gibt Entwicklungsphasen, in denen nichts, aber auch gar nichts einfach so hingenommen wird. Jede Antwort wirft eine neue Frage auf. Irgendwann  kommen wir Erwachsenen dann an den Punkt, wo wir zugeben müssen: „Das weiß ich auch nicht.“

Auch wenn es um Glaubensfragen geht, stoßen Erwachsene oft an ihre Grenzen. Was antworten Sie, wenn ein Kind fragt: „Wenn Gott doch alles sieht und alles kann, warum gibt er den hungernden Kindern nichts zu  essen?“ Oder: „Kommt mein toter Hamster auch in den Himmel?“

Manchmal ist es nicht nur eine Hilfe, sondern auch eine große Erleichterung, wenn man als Erwachsener einem Kind dann auch sagen kann: „Ich weiß zwar viel, aber nicht alles. Es gibt Dinge, die liegen allein bei Gott. Sie liegen im Verborgenen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott gut für alles sorgt. Auch für dich und für mich.“ Was Kinder brauchen, sind Menschen, die zuverlässig sind. Die ihnen Geborgenheit geben und ihnen Lust machen am Glauben und am Leben. Die sie lieb haben, so wie sie sind. Sie brauchen Menschen, die einfach nur Zeit für sie haben. Die ihre Fragen anhören. Die versuchen, sie so gut wie möglich zu beantworten. Die auch damit leben können, dass sie nicht alles wissen. Kinder brauchen Räume, in denen sie von Gott hören und in denen sie ihren Glauben, ihrem Alter gemäß, leben können. Kinder müssen lernen, sich in dieser Welt zurechtzufinden. Das Wichtigste aber ist, dass Kinder erfahren: Ich bin mit meinen Stärken und Schwächen angenommen. Ich erinnere mich gern an ein Abendlied, das meine Mutter mir oft vorgesungen hat:

„Weißt du, wieviel Kinder frühe stehn aus ihrem Bettlein auf, dass sie ohne Sorg und Mühe fröhlich sind im Tageslauf? Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen; kennt auch dich und hat dich lieb, kennt auch dich und hat dich lieb.“

 

Audiobeitrag "Was zählt?"


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen