Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

13.02.08, Mark Christian Pollmeier

Nett gemeint

Eine bekannte Talentshow im deutschen Fernsehen funktioniert so: Man darf vor einem Millionenpublikum etwas vorsingen. Danach hat die Jury das Wort und bewertet die Leistung.

Wer Glück hat und gut war, wird gelobt und kommt in die nächste Runde. Aber ab und zu muss auch mal jemand ausscheiden. Und der sollte dann besser ein dickes Fell haben.

Denn natürlich wird man nicht einfach verabschiedet. Das wäre ja langweilig. Nein, wer gehen muss, bekommt von der Jury noch ein paar warme Worte mit auf den Weg. Da wird man dann zum Beispiel mit  Sondermüll verglichen. Oder mit einem angeschossenen Wildschwein . Solche Sachen halt.

Tja, selber Schuld, könnte man sagen. Wer in so eine Show geht, der weiß ja, worauf er sich einlässt. Der muss halt damit rechnen, runtergemacht zu werden.

Vielleicht ist das so. Ich finde die Sprüche, die den Leuten um die Ohren gehauen werden, trotzdem gewöhnungsbedürftig. Aber am allerbesten ist die Begründung für die ganzen Unverschämtheiten: Die Jury meint es nämlich nur gut mit den Kandidaten! Irgendjemand müsse ihnen ja mal offen und ehrlich die Wahrheit sagen. Ihnen mal ein Feedback geben, wie es wirklich um ihre Leistung steht.

Ah, sooo ist das also! Alles nur nett gemeint! – Merkwürdig bloß, dass die Kandidaten so oft Tränen in den Augen haben, wenn sie von der Bühne schleichen.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Nett gemeint


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen