Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.02.08, Mark Christian Pollmeier

Kuh-Kopie

Wer sich in Berlin eine Currywurst ordert, der wird vom Bratwurstverkäufer erst mal angeraunzt: „Mit Darm oda ohne?“ In Berlin gibt’s nämlich tatsächlich Bratwürste

ohne Hülle. Keine Ahnung, wozu das gut sein soll. In Zukunft könnte die Bestellung sogar noch komplizierter werden. Zusätzlich zur Darm-Frage muss man sich dann vielleicht auch noch entscheiden:

Klon-Wurst oder Normal-Wurst? Die Lebensmittelbehörde der USA hat das Fleisch von geklonten Tieren für unbedenklich erklärt. Klon-Fleisch, das bedeutet: Wenn ein Farmer eine Kuh für besonders gelungen hält, muss er sie nicht mehr mühsam nachzüchten. Er kann sie einfach kopieren, so oft er will. Eine einzige Zelle reicht dazu aus.

Angeblich ist das geklonte Tier dann vom Original nicht zu unterscheiden: Gleiche Gene, gleiches Aussehen, gleicher Geschmack. Kann ja alles sein. Trotzdem - mir gefällt der Gedanke nicht. Die Haltung von Nutztieren ist ja schon jetzt mehr industrielle Fertigung  als idyllische Landwirtschaft. Aber mit dem Klonen geht dann wirklich das letzte Stück Natürlichkeit verloren. Am Ende stammt dann praktisch jedes Schnitzel weltweit vom gleichen perfekten Rindvieh. Das kann nicht gesund sein.

Aber noch was anderes macht mir Sorgen. Wenn erst mal das Kopieren von Säugetieren alltäglich ist – wie lange wird es dann noch dauern, bis die ersten Menschen geklont werden?

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Kuh-Kopie


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen