Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

16.02.08, Mark Christian Pollmeier

Billig-Begräbnis

In meiner Bank sind über den Geldautomaten immer so kleine Plakate angebracht. Darauf wirbt die Bank für ihre Sparkonten oder Aktienfonds.

Der Platz für die Plakate ist gut gewählt: Während man wartet, dass der Automat endlich das Geld ausspuckt, liest man automatisch, was drauf steht.

Gestern fiel mir ein neues Schild auf. Es war ganz schlicht gehalten, ohne Foto und mit ganz wenig Text: „Sie sind über 50? Sie möchten Ihre Beerdigung nicht dem Sozialamt überlassen? Sprechen Sie uns an!“

Ich bin weit unter 50.  Damit  gehöre ich gar nicht zur Zielgruppe:. Trotzdem denke ich noch über dieses Schild nach, als ich längst wieder raus bin aus der Bank.

Was ist denn so schlimm daran, wenn das Sozialamt die Beerdigung organisiert? Ich grübele: Kriege ich dann einen billigen Papp-Sarg? Oder einen miesen Platz auf dem Friedhof? Und selbst, wenn das so wäre: Muss ich mir deswegen Sorgen machen?

Das Plakat beginnt, mich zu ärgern. Dass man sich irgendwann mal Gedanken macht über den eigenen Tod und über das, was danach kommt, ist  ja in Ordnung. Ich werde auch mit der Familie oder mit guten Freunden darüber sprechen, wenn sich es ergibt. Aber mir von meiner Bank die Angst vor einem Billig-Begräbnis einreden zu lassen – darauf kann ich echt verzichten.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Billig-Begräbnis


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