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Mehr Kinderkrippen
Tach Frau Hinz, sag ich, wat is dat denn für ne Kleine, die se da im Schlepptau haben? Dat is die Anita, sagt se, komm, Anita, gib dem Onkel ma Händchen.
Tach Anita, sag ich, na, gehse einkaufen mit der Omma? Ich bin nich die Omma, sagt se, und einkaufen gehen wir auch nich. Wir warten, dat die Mama se abholt, die Isabel, meine Nichte. Ach so, sag ich, dann is die Einkaufen? Arbeiten isse, sagt Frau Hinz, und ich pass diese Woche auf die Anita auf, weil die Kinderfrau Urlaub macht. Ob dat wohl n Fall für unsere Kinderkrippe wär? Frag ich Kinderkrippe?!, sagt se, nach sowat sucht die Isabel schon seit über nem halben Jahr! Die Evangelische Kirche macht demnächst eine auf, sag ich, im Familienzentrum direkt neben der Marktkirche. Abern bisschen müssense noch warten mit der Anmeldung. Wieso sagt se, is schon alles voll? Alles voll nich, sag ich, aber die Anita is noch nich ma n Jahr alt. Na und, sagt se, gucken se sich ma an, wie aufgewdckt dat Kind is, ein Jahr is für die doch alt genug! Dat is genau die Frage, wo wir uns im Kirchenvorstand grade die Köppe drübber heiß reden, sag ich, ab wann is dat richtige Alter, wo ne Mutter ihr Kind weggeben kann? Na, sagt se, ob se sowat am grünen Tisch einfach festlegen können? Muß, sag ich, wir sind dafür verantwortlich und wir müssen entscheiden, ab wann wir n Kind in die Krippe aufnehmen. Aber leicht fällt uns dat nich. Nee, sagt se, wissense, wer dat viel besser entscheiden kann? Lassense die Mütter dat entscheiden. Die haben n gutes Gespür dafür, wann et soweit is, dat die ihr Kind allein lassen können. Aber richtig machen die dat auch nich immer, sag ich. Ich hab gelesen, dat n Kind seelische Schäden kriegt, wenn et zu früh allein gelassen wird. Dat geht den Müttern nich anders, sagt se. Wenn ich dadran denk, wie die Isabell geweint hat, jeden Morgen, als se die Anita bei der Kinderfrau abgeliefert hat, da war die vier Monate alt. Und die macht sich immer noch Vorwürfe. Vier Monate, sag ich, dat is aber wirklich n bißchen früh. Dat könnense sich nich immer aussuchen, sagt se, wat machense wenn der Chef anruft, ihnen den Traumjob anbietet und sagt jetz oder nie. Dann müssense sich entscheiden, sag ich, Entweder oder, dat is doch normal. Schön wärt, wenn dat nich mehr normal wär, sagt se. Schön wärt, wenn ne Frau nich immer zwischen Entweder Oder steht. Sondern wenn se alle wat dazu beitragen, dat die Kind und Beruf zusammenkriegt. Der Chef wartet doch noch drei Monate, der Vater setzt auch aus und kümmert sich um dat Kind, die Regierung gibt dat Elterngeld dazu, damit die beiden nich zuviel Verlust machen. Die Stadt bietet n Krippenplatz an, oder die Kirche. Dat war aber jetz n langer Wunschzettel, sag ich. Da is auch riesig wat zu tun, sagt se, um et einer wie der Isabel leichter zu machen, wenn se n Kind gekriegt hat. Und je weiter se dat Alter runtersetzen, wo se die Kinder für die Kinderkrippe an der Marktkirche zulassen, desto mehr helfen se denen. Und desto leichter isset für die, die richtige Entscheidung zu treffen. Bei der dat Kind sich wohl fühlt, weil et auf seine Kosten kommt. Und die Mutter auch. Krippe also ab ein Jahr, sag ich. Oder noch früher, sagt se. Naja, sag ich, im Kirchenvorstand sitzen genug Väter und Mütter, die haben alle Kinder und Enkel. Vorschlagen kann ich dat. Versuchenset, sagt se. Die Anita malt Ihnen auchn Bild, wenn et klappt. Dat wär aber nett, sag ich, aber jetz muß ich. Tschüss dann, sagt se. Tschüss, sag ich, undn schönen Tag noch.
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