Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.01.08, Pfarrer Jönk Schnitzius

Keine Angst vor dem Unterschied

Musik: Brasilian Wedding, aus: From Q, with love, LC-Nr.: instrumental / Autor: Ja. So soll es sein. Mit der Liebsten. Ja. - So kann man sich das doch vorstellen.

Was heißt vorstellen: so müßte es doch sein. Harmonisch. Ich meine, wie soll man das jetzt sagen, um diese Uhrzeit. Sagen wir: geschmeidig. Eins sein. Wir leben. Ewigkeiten. Ohh. Ja. Allerdings – im richtigen Leben klingt das dann doch hin und wieder so:

Musik: Track 5, aus: CD Keziah Jones, African space Craft, LC-Nr.: 3098 instrumental

Autor: Tja. Mit dem „wir“ ist das so eine Sache. Die Sehnsucht eins, „wir“ zu sein - statt ich und du - kennt jede und jeder: Werbeversprechen leben davon, Hollywood produziert deshalb schöne Bilder mit schönen Menschen an schönen Orten. Bilder von ganz großer Liebe. Bilder von perfekter Übereinstimmung. Bilder – nicht Wirklichkeit. Dabei ist die Sehnsucht nicht das Problem, wohl aber die Vorstellung so und nur so wäre das mit der Liebe. Auch mit der Großen. Und zwar dauernd. Denn so kann es nicht sein. Nicht auf Dauer. Weil ich nicht du bin. Und du nicht ich.

Vielleicht ist es wie mit dem Wasser. Wir brauchen es zum Leben, genießen es beim Baden. Unabhängig von seiner Notwendigkeit, lieben es viele. Nackt im Meer zu schwimmen, kann der Himmel auf Erden sein. Oder Tod durch Ertrinken bedeuten, beim Versuch mit dem Wasser zu verschmelzen, eins zu werden, und eben nicht wieder auf den eigenen Boden, zu sich zurückzukehren. Ich bin nicht du. Kontakt findet eben an der Grenze statt. Da wo ich aufhöre und du anfängst. Der Unterschied macht Schwimmen erst möglich, der Rest ist Ertrinken.

Ok. Es gibt: Verliebt sein – Ganzkörperfrühling sozusagen. Eintauchen. Gut. Super. Wie gesagt: Sehr schön. Gott sei dank dafür. Und es gibt den Schock, die Entdeckung, die Chance: Ich bin anders als du. Klingt banal. Ist es aber nicht. Weil – jeder ist - Gott, sei dank – anders, als andere. Diese Erkenntnis ist nun nicht wirklich neu. Nur – sie schmerzt und macht Angst.

Die Sehnsucht, endlich im geliebten Menschen den gefunden zu haben, der oder die mich ganz versteht; mit dem oder mit der ich ganz mitschwinge – meine fehlende Hälfte damit ich rund, komplett bin, diese Sehnsucht sitzt tief. Die Angst, sich im Anderen zu verlieren, allerdings auch.

Ich glaube: Es ist wie zwischen Mensch und Gott. Der Unterschied macht den Kontakt. Und um den geht es doch. Um den Kontakt zu Menschen und zu Gott.

Musik: Brasilian Wedding, aus: From Q, with love, LC-Nr.: instrumental

Autor: Wenn man nicht gleich auf der Vorstellung besteht, ewig im Wasser bleiben zu wollen, weil man sonst zu verdursten glaubt,
kann man schwimmen - auch zu zweit. Zum Beispiel: nackt im Meer.

Audiobeitrag Keine Angst vor dem Unterschied


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