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30 Prozent normal?
70 Prozent steht im Ausweis. 70 Prozent schwerbehindert. Macht das 30 Prozent normal? Paul schaut nicht oft in seinen Ausweis. Warum auch?
Dass er behindert ist, sieht jeder an seinem Rollstuhl. Und dass er den Kopf so seltsam schief hält. Und dass seine Hände nie richtig gerade liegen. Das gehört zu den 70 Prozent. Er weiß, dass er anders ist.
Ich war so oft der große Bruder, obwohl er doch drei Jahre älter ist. Ich fahre ihn zu seiner Schule, mache ihm das Essen warm, passe auf ihn auf, wenn unsere Eltern unterwegs sind. Manchmal ist er so wütend, dass er die Teller auf den Boden wirft. Weil er merkt, dass ein Teil der Welt an ihm vorbeizieht. Dass er nicht mit mir in Stadt gehen oder Fußballspielen kann.
Aber wenn er nicht da ist, vermisse ich ihn. Weil er mit seinen Witzen und Macken so wunderbar ist. Weil ein öder Besuch im Tierpark ein Abenteuer mit ihm ist. Niemand kann so laut und glücklich lachen wie er. Wir spielen Mensch-ärger-dich und ich lasse ihn immer gewinnen. Wir stellen die Musik so laut, dass sein Rollstuhl wackelt und wir kuscheln uns unter eine Decke vor dem Fernseher. Und wenn er mir beim Weggehen aus dem Fenster nachwinkt, dann krampft sich mein Herz zusammen. Ich liebe ihn. 100 Prozentig.
Sprecher: Michael Birgden
30 Prozent normal?
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