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Kuckuckskind
Ein dummer Zufall brachte die Wahrheit ans Licht. Inga und ihre Schwester Maren hatte sich als Knochenmarksspenderinnen beworben und gleich mal ihre Blutgruppe bestimmen
lassen. Dabei kam raus, dass Inga eine ziemliche seltene hatte. Die überhaupt nicht zu der von Maren passte. Seltsam, dachte Inga. Dass sie ihrer Schwester überhaupt nicht ähnlich sah, kriegte sie ja oft genug zu hören. Inga ist halt unser Kuckuckskind, hatte ihr Vater immer lachend gesagt.
Beim nächsten Besuch daheim fragte sie ihre Eltern direkt: ob die sich erklären könnten, warum sie eine Blutgruppe hat, die sie nicht von ihnen geerbt haben konnte. Das Gesicht ihrer Mutter wurde fahl. Schweigen hing wie Blei in der Luft. Dann sagte ihre Mutter sehr leise: Weil du nicht die Tochter deines Vaters bist.
Inga verstand die Welt nicht mehr. Sie war eine Sektlaune. Resultat einer Zufallsbekanntschaft auf einer Karnevalsparty. Warum habt ihr mir das nie erzählt? Inga tobte, schrie, war außer sich. Sie rannte aus dem Haus. In den nächsten Monaten wollte sie niemanden ihrer Familie sehen.
Kuckuckskind, schrie sie in den Spiegel. Ihr Freund kam schlaftrunken ins Bad und nahm sie in den Arm. Ja, sagte er. Aber das Kuckuckskind wird geliebt. Und wenn du das nicht begreifst, dann wirst du dein Leben verpfuschen. An diesen Abend fuhr Inga zu ihren Eltern. Sie war immer noch voller Zorn und voller Fragen. Aber sie verstand, dass sie ihnen die Lüge vergeben musste. Vergeben lernen ist die härteste Prüfung, sagt Inga. Aber ich will sie bestehen.
Sprecher: Michael Birgden
Kuckuckskind
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