Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.01.08, Ralf Jupe

Christus der Narr

Ohne Bützen kommt heute keiner durch die Kölner Innenstadt. Die Narren stellen alles auf den Kopf. Und das finde ich ganz gut.

Denn hinter der ganzen Maskerade und dem Strömen von Alkohol steckt noch was anderes: Eine radikale Kritik an den Rollen, Zwängen und Beschränkungen, die unser normales Leben ausmachen.  Wenn Hartz IV mal keine Rolle spielt, oder das miese Halbjahrzeugnis.  Wenn es egal ist, ob ich eigentlich schüchtern bin, oder zum Lachen sonst in den Keller gehe. Das das Leben noch viel mehr ist als ein acht-Stunden-Bürojob.

Schon Jesus wurde als närrisch bezeichnet.  Von seiner eigenen Familie. Er ist von Sinnen. Sagten sie. Meint: Er ist verrückt.

Eine Portion Humor scheint Jesus gehabt zu haben:  Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele, kommentierte er das heuchlerische Verhalten der Pharisäer. Kritik an den Reichen verpackte er in den Satz: Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein Reicher in den Himmel. "Wir sind Narren um Christi willen", hat Paulus später in der Bibel geschrieben und damit gemeint, dass wir alle gesellschaftlichen Konventionen radikal hinterfragen sollen.  Karneval macht das mal probeweise. Nach dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Zeit, die spielerische Kritik in Taten umzusetzen. Wie lebe ich mein Leben?    Was ist wirklich wichtig?    Was nehme ich nicht einfach hin, sondern tue was dagegen.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Christus der Narr


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