Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.01.08, Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Geburtsvorbereitung

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Auch in diesem Jahr werden in Deutschland Kinder zur Welt kommen. Die meisten von ihnen sind bereits unterwegs.

Viele Eltern freuen sich auf das lang ersehnte Wunschkind, für andere bedeutet die Schwangerschaft, dass sie ihre Lebenspläne umschreiben müssen. Wie dem auch sei – der Geburtstermin ist errechnet, man bereitet sich vor.

Eltern, die sich auf die Geburt ihres Kindes vorbereiten, wählen die Geburtsklinik aus, gehen vielleicht zur Schwangerschaftsgymnastik, machen einen Säuglingspflegekurs, kümmern sich um die Babyausstattung und überlegen, wie die Kinderbetreuung in den ersten Monaten geleistet werden kann. Daneben stellen sich aber wie von selbst auch Fragen ein, die sich nur unzureichend oder gar nicht beantworten lassen: Wird unser Kind gesund zur Welt kommen, und wenn ja, wird es gesund bleiben? Ich las kürzlich von einer werdenden Mutter, die mit einer Firma einen Vertrag abgeschlossen hat. Diese Firma wird zwanzig Jahre lang Stammzellen konservieren, die man aus der Nabelschnur des Neugeborenen gewinnen wird. Die Mutter hofft, dass die medizinische Forschung schnell voran schreitet und dass – sollte ihr Kind schwer erkranken – es mit Hilfe dieser Zellen geheilt werden kann. Andere Mütter und andere Väter haben andere Sorgen: Werden wir unsere Arbeitsplätze behalten? Und wenn nicht, was wird dann aus unserem Kind? Wird es in Armut aufwachsen wie schon so viele andere Kinder in Deutschland? Wieder andere Eltern fragen: Wie stark wird unser Kind die Auswirkungen unseres Lebensstils zu spüren bekommen? Werden die verbliebenen Ressourcen als Lebensgrundlage ausreichen? Wie wird unser Kind den Klimawandel erleben, der sich bereits heute ankündigt? Wird es in Verteilungskämpfe um Nahrungsmittel und Wasser hineingezogen?

Alle diese Fragen sind kaum zu beantworten. Wie aber kann dann eine Geburtsvorbereitung aussehen, bei der Eltern sich diesen Fragen stellen, ohne sich von ihnen verunsichern zu lassen?

Zu einer solchen Geburtsvorbereitung gehört, dass werdende Väter und Mütter sich zunächst einmal selbst fragen: Worauf vertraue ich? Auf welches Fundament habe ich mein Leben gebaut? Wie ant-worte ich auf die Frage, was mich im Leben trägt und auch dann noch, wenn ich sterben muss? Verlasse ich mich auf Gott, von dem ich gehört habe, dass er uns Menschen ohne wenn und aber liebt? Kann ich die Worte nachsprechen, die uns als Gebet in der Bibel überliefert sind: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“? Vielleicht kommt bei diesem Nachdenken heraus, dass das Vertrauen auf Gott eher schwach und der Glaube an ihn und seine Liebe klein ist. Das wäre aber nicht schlimm. In der Bibel steht, dass selbst ein winzig kleiner Glaube Berge versetzen kann.

Zur Geburtsvorbereitung gehört sodann, dass werdende Eltern sich fragen: Wollen wir unser Kind zur Taufe bringen und es in aller Öffentlichkeit Gott anvertrauen? Bei der Taufe hören Eltern, dass Gott ihrem Kind die Treue hält, welchen Weg auch immer es gehen wird. Sie versprechen, ihrem Kind von Gott zu erzählen, damit es mutig und voll Vertrauen Schritte in die Zukunft tut. Und sie weisen ihr Kind darauf hin, dass es nicht nur von seinen Eltern sondern auch von anderen Menschen, die zur christlichen Kirche gehören, nach Kräften unterstützt wird. Das gibt Eltern und Kind Kraft zum Leben.

Auch in diesem Jahr werden in Deutschland Kinder zur Welt kommen. Viele von ihnen werden in unseren Kirchen getauft werden, viele aber auch nicht. Mögen sie alle – getauft oder nicht getauft -  unter Gottes Schutz heranwachsen.

 

Audiobeitrag Geburtsvorbereitung


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen