Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.01.08, Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Ein Vorsatz für das neue Jahr

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Was ist eigentlich aus Ihren guten Vorsätzen für das neue Jahr geworden?

Ach, das ist Ihnen unangenehm, daran erinnert zu werden? Dann gehören Sie wohl zu den Menschen, die nach Weihnachten und Neujahr der Alltagstrott wieder eingeholt hat. Dabei sind dann wohl die guten Vorsätze auf der Strecke geblieben. Das geht vielen Menschen so und ich glaube, ich weiß auch warum. Es liegt daran, dass wir uns die guten Vorsätze zum Jahreswechsel selbst sagen: „Ich will dieses tun und jenes lassen.“ „Ich möchte das erreichen und etwas anderes schaffen.“ Damit überfordern wir uns leicht.

Aber nun ist das neue Jahr ja noch recht jung. Wir können also ruhig einen zweiten Versuch wagen, mit einem guten Vorsatz durch dieses Jahr 2008 zu gehen. Allerdings sollten wir es jetzt anders anfangen. Wir sollten uns den guten Vorsatz nicht selbst sagen, sondern uns einen Vorsatz vorsetzen lassen. Das entlastet.

In der evangelischen Kirche gibt es schon lange den Brauch, jedem Jahr einen Satz aus der Bibel voran zu stellen. Dieser Vor-Satz, der wie ein Motto über dem neuen Jahr steht, wird Jahreslosung genannt. Er wird nämlich ausgelost. In den ersten Wochen eines jeden neuen Jahres wird die Jahreslosung in vielen Gottesdiensten gepredigt und in Bibelgesprächskreisen ausgelegt. In Gemeindehäusern wird sie gut sichtbar aufgehängt, und viele Menschen lassen sich das ganze Jahr über durch eine Spruchkarte an den Vor-Satz aus der Bibel erinnern.

Die Jahreslosung für 2008 ist ein Satz, den Jesus Christus zu seinen Freunden gesagt hat: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Was wir in diesem Jahr erleben werden, wissen wir heute noch nicht. Wir wissen aber: Es kann Tage geben, an denen das Leben uns schwer wird. Tage, an denen wir lebenswichtige Fragen nicht beantworten können: Werde ich mit Anfang fünfzig noch einmal einen Arbeitsplatz bekommen? Wird meine Ehe oder Partnerschaft dieses Jahr überstehen? Werde ich gesund bleiben oder wieder gesund werden? Wer diese Fragen nicht beantworten kann, wird das Leben nicht als Lust sondern als Last empfinden. Dann ist es gut, einen Vor-Satz wie die Jahreslosung für dieses Jahr zu haben: „Jesus Christus spricht: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“

Jesus sagt das, als er sich von seinen Freunden verabschiedet. Er weiß, dass er jetzt einen schweren Weg gehen muss. Seine Gegner werden ihn festsetzen, ihn anspucken und fesseln. Schließlich werden sie ihn hinrichten. Trotzdem sagt Jesus: Ich lebe. Diese brutalen Menschen können mein Leben nicht  zerstören, denn mein Leben steht in Gottes Hand. Und dann: Ihr sollt auch leben. Gott trägt nicht nur mich durch das Leid sondern euch auch. Was auch geschieht, ihr seid und bleibt Gottes geliebte Geschöpfe. Er hat euch ins Leben gerufen und er bleibt euch treu. Verlasst euch drauf!

„Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Mit diesem Vor-Satz hat das Jahr einen guten Anfang genommen. Nun können wir uns für die kommenden Monate viel vornehmen. Schön, wenn uns einiges davon gelingt.

Audiobeitrag Ein Vorsatz für das neue Jahr


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