Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

15.01.08, Landessuperintendent Dr. Martin Dutzmann

Gottes Wort gehorchen

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel habe ich Briefe und Grußkarten erhalten.

Schlichte Grüße waren darunter, auf denen der vorgedruckte Wunsch „Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr!“ nur mit einer Unterschrift versehen war. Daneben gab es aber auch Karten und Briefe, die mit viel Überlegung geschrieben waren und wegweisende Worte für das neue Jahr enthielten. Solche Grüße bewahre ich gewöhnlich auf, denn ich brauche Wegweiser. Eigentlich brauche ich jeden Tag einen.

Einen Wegweiser für jeden Tag – diese Idee hatte vor 280 Jahren Nikolaus Ludwig Graf Zinzendorf in Herrnhut in der Oberlausitz. Aus der Idee wurde das Losungsbuch, das in über 50 Sprachen erhältlich ist. In diesem Buch sind für jeden Tag zwei Verse aus der Bibel abgedruckt, dazu ein Gebet oder eine Liedstrophe. Die kurzen Texte werden täglich von Millionen Christen auf der ganzen Welt  gelesen, bedacht und gebetet.

Das biblische Losungswort für heute ist ein Wegweiser für den heutigen Tag und darüber hinaus. Es handelt sich um ein Gotteswort, das an einen Propheten gerichtet war, aber bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat: „Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“

Wenn Gehorsam von uns gefordert wird, dann runzeln wir gerne die Stirn und sagen: Das war einmal. Unsere Eltern hatten ihren Eltern noch zu gehorchen und natürlich dem Lehrer, dem Pfarrer und dem Bürgermeister. Aber das ist vorbei. Wer heute Kinder erzieht, wird sie begleiten, ihr Wachstum und ihre Einsicht fördern und ihnen möglichst viel Freiheit gewähren. Wenn wir aber ehrlich sind, ist das Thema „Gehorsam“ damit für uns keineswegs erledigt. Wir gehorchen zwar nicht mehr wirklichen oder vermeintlichen Autoritätspersonen, wohl aber gehorchen wir zum Beispiel wirtschaftlichen Zwängen. Wirtschaftlicher Druck führt dann dazu, dass immer mehr Geschäfte an Sonn- und Feiertagen geöffnet sind; die Konkurrenz schläft schließlich nicht. Das bedeutet, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sonn- und feiertags arbeiten müssen und nicht wie andere bei der Familie oder bei Freunden sein können. Wehren können sie sich dagegen kaum, schließlich wollen sie ihren Arbeitsplatz behalten.

Die Frage ist also nicht, ob wir gehorchen, sondern wem wir gehorchen. Die Losung für heute ist eine Gottesrede: „Gehorcht meinem Wort.“ Was das für ein Wort ist, kann man in der Bibel nachlesen. Die zehn Gebote etwa sind Gottes Wort und darin das Gebot: „Du sollst den Feiertag heiligen!“ Wer diesem Gebot gehorcht, der gerät nicht unter Zwang sondern erlebt im Gegenteil Freiheit. Wer am Sonntag und am Feiertag die Arbeit ruhen lässt, der ist frei. Frei von dem Druck, ohne Pause funktionieren und Leistung bringen zu müssen. Frei von dem Gefühl: Ich bin nur etwas wert, wenn ich etwas schaffe. Deshalb haben die evangelischen Kirchen im vergangenen Jahr unter der Überschrift „Gott sei Dank, es ist Sonntag!“ eine Kampagne gestartet, die sich an Geschäftsleute, Kunden und Politiker richtet. Mit dieser Aktion erinnern sie an Gottes Wort und daran, dass der Gehorsam gegenüber Gottes Wort frei macht.

„Gehorcht meinem Wort, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“ Die Losung ist ein wichtiger Wegweiser für diesen Tag und für alle noch verbliebenen Tage des neuen Jahres. Wenn ich noch einen Neujahrsgruß zu schreiben hätte, würde ich ihn wohl mit diesem Wort verbinden.


 

Audiobeitrag Gottes Wort gehorchen


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