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Gut und Böse
Bei dem Beitrag hätte ich gern noch ein paar Minuten länger zugehört, auch wenn ich um kurz vor 6 immer noch ziemlich müde bin.
Das hat mir vor einigen Monaten ein Hörer von Kirche in WDR2 geschrieben. Mich hat das sehr gefreut, - nicht nur wegen des Kompliments.Ich finde immer spannend, was von einer Sendung so ankommt.Was Hörerinnen und Hörer anspricht und beschäftigt. Was sie zurückmelden.
Können Sie eigentlich nicht mal die Guten gut und die Bösen böse sein lassen? Warum muss ich bei Kirche in WDR2 so oft Werbung hören, dass man auch für den fiesen Nachbarn oder irgendwelche Straftäter noch Verständnis haben soll? Das schrieb mir vor Kurzem eine andere Hörerin ich nenne sie einmal Frau M. - und will ihr hiermit kurz antworten.
Ich verstehe, was Frau M. will: Eine klare Orientierung fürs Alltagsleben. Die Guten gut - und die Bösen böse.Eine deutliche Ansage: wer ist gut?, wer ist böse?. Klare Trennung von weißen Schafen und schwarzen Schafen. Dafür müssten die von Kirche ja wohl Experten sein, scheint Frau M. zu denken.Und vielleicht klingen manche Kirchenbeiträge ja auch so, als wüssten wir das immer ganz genau.
Ich bin mir allerdings ziemlich sicher: Wir können das gar nicht wissen. Und wir sollten auch nicht klingen, als hätten wir für alles unfehlbare Urteile und objektive Wahrheiten. Klar, wär das Leben vielleicht manchmal einfacher, könnte man die Menschen in Gute und Böse einteilen. Und oft genug tun wir alle ja auch so, als wüssten wir genau, wo die Grenze verläuft.
Mit dem Menschenbild der Bibel hat das allerdings nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: zwar finden sich dort reichlich Hinweise, was das Gute sein kann, das man tun soll. Aber immer unterscheidet die Bibel zwischen dem, was der Mensch tut und dem, was er ist.
Niemand ist deshalb ganz böse ganz gleich, was er tut. Und auch der Gute ist fähig, das Böse zu tun. Deshalb haben alle Menschen, auch die als Vorbilder in biblischen Geschichten auftauchen, ihre Schattenseiten. Niemand ist eben auch nur gut. Konsequenz daraus fürs Leben? Seid vorsichtig mit den Urteilen! Oder, um es mit Jesus zu sagen: Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!
Vorsicht, wenn ihr meint, andere beurteilen zu können es könnte auf euch zurückfallen. Ihr könntet darüber außerdem die eigenen Schwächen, die eigenen Fehler aus dem Blick verlieren. Was siehst du den Splitter im Auge des Mitmenschen und den Balken im eigenen Auge siehst du nicht?
Deshalb wird es in Kirche in WDR2 auch weiterhin Werbung dafür geben, die Menschen und ihre Taten vorsichtig zu beurteilen. Und gerade die, die man häufig vorschnell einsortiert vor allem in die Herde der schwarzen Schafe.
Also, Frau M. noch einmal vielen Dank für Ihre Anfrage Und: willkommen in der Herde der grauen Schafe! Oder: unter den gescheckten Zeitgenossen. Ich glaube: Wir sind gebrochene Menschen und fragwürdige Gestalten und das immer. Nie ganz schwarz, nie ganz weiß. Die Einteilung in Gute und Böse können Sie an dieser Stelle nicht bekommen.
Aber sehen Sies doch positiv: denn, - was das Schöne dabei ist: Wir müssen bei Gott gar nicht perfekt sein. Können als graue oder schwarz weiß gescheckte Schafe unser Leben leben. Wage noch einer, uns zu verurteilen! Das ist doch sehr entlastend oder?
Gut und Böse
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