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Wegschließen statt behandeln
Autorin: Vergewaltigung, Suizid und Gott sei es geklagt auch ein Foltermord. All dies ist passiert. In Siegburg, Wuppertal, Siegen. All dies passiert immer wieder.
In deutschen Haftanstalten. Jetzt wird darüber geredet. Warum, wieso, weshalb. Klar, es fehlt an Beamten. Jetzt werden sie eingestellt. Möglichst viele. Möglichst schnell. Doch was bringt das? Mehr Sicherheit, klar. Was aber nach wie vor fehlt, sind Behandler: Psychologen, Sozialarbeiter, Seelsorger. In die wird nicht genügend investiert und das ist fatal. Denn immerhin heißt es im Gesetz, dass Gefangene einen Anspruch auf Behandlung und Resozialisierung haben. Doch die Wirklichkeit ist eine andere. Im Wuppertaler Gefängnis treffe ich Giovanni, 39 Jahre alt. Mehr als die Hälfte seines Lebens saß er bereits hinter Gittern, weil er krank ist. Drogenabhängig sowie die meisten seiner Mitgefangenen. Behandelt wurde er deshalb bislang nicht: 20 Jahre Knast statt Therapie:
O-Ton: "Ich meine das ist ein Unterschied, ob ich jemanden wegen Drogen in eine Therapie schicke seitens des Gerichts oder ob ich den dann in den Knast stecke und der ist dann vorbestraft und kriegt dann keine Arbeit mehr aufgrund seiner Vorstrafe und das ganze Leben ist verpfuscht aufgrund einer Vorstrafe."
Autorin: So waren bei ihm die Rückfälle vorprogrammiert. Wie das geht, ein Leben ohne Drogen, hat Giovanni nie gelernt. Die Zeiten draußen waren meist überschaubar. Nach wenigen Wochen war er meist wieder rückfällig, wurde kriminell und kam ins Gefängnis. Giovanni will aussteigen. Endlich eine Therapie machen. Doch seine Chancen sind schlecht. Als er mit dem Drogenberater spricht, erfährt er, dass er fast neun Monate auf ein erstes Gespräch warten muss.
In anderen bundesdeutschen Haftanstalten sieht es nicht anders aus. Auch dort fehlt es an Drogenberatern, Sozialarbeitern und Seelsorgern. Statt in Behandlung hat man in Sicherheit investiert Allein in Wuppertal waren es acht Millionen Euro. Was fehlt ist nicht Geld, sondern der politische Wille. Deshalb ist jemand wie Giovanni 20 Jahre im Knast ohne eine Chance auf Therapie. Was ihm die Kraft gegeben hat zu überleben, war sein Glaube:
O-Ton: "Ich hab viel verloren, viel auch gelitten, und da konnte ich mich eigentlich immer drauf verlassen, auf die Hoffnung, auf den Glauben, das hat mich auch immer bestärkt durchzuhalten, nicht aufzugeben ... ich hab ja noch gar nicht richtig leben dürfen."
Autorin: Von Frau, Kind und Arbeit so zu leben, wie alle anderen. Davon träumen viele der Drogenkranken. Und ich träume davon, dass sie eine Chance auf Resozialisierung bekommen. So wie es das Gesetz vorsieht. Und zwar sofort. Jetzt im Zuge des öffentlichen Nachdenkens über Sinn und Unsinn des deutschen Strafvollzugs. Denn: Kranke haben ein Recht auf Behandlung. Und wer braucht sie nicht die zweite Chance?
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