Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

14.01.08, Christiane Birgden

Vom wahren Fasten

Ich suche schwarze Kniestrümpfe Größe 38. Diese Standardgröße scheint wie immer vergriffen. Währenddessen unterhalten sich zwei Verkäuferinnen freimütig über mich hinweg über

über ihre Diät die sie vorhaben. Die eine fragt die Kollegin, wie viel sie denn jetzt schon abgenommen hat. „Acht Kilo“, sagt sie, „und ich will noch weitere acht Kilo schaffen.“

„Naja“, gibt die andere zu bedenken, „die Männer wollen ja auch was zum Anfassen haben“.

„Ja“, bekennt die Diätwütige, „dummerweise geht mit dem Abnehmen ja auch die Oberweite weg.“

„Deshalb haben die Models ja auch alle Silikon drin,“ weiß die andere.

„Also“, sagt die Diätende etwas zögerlich, „mein Freund würde mich da unterstützen, wenn ich das machen lasse!“

Charmanter Freund, denke ich.

„Ach“, ergänzt sie, „der hat sich übrigens letztes Wochenende ne Glatze geschnitten. Hatte nen bisschen viel getrunken. Sieht nicht so gut aus, aber wächst ja wieder nach.“

Während sie bereit ist, sich für ihn sogar unters Messer zu legen, um seinen Vorstellungen zu entsprechen, schneidet er sich im Suff ´ne Glatze, egal, wie sie das findet.

Das ist der Unterschied zwischen einer Diät und Fasten. Fasten hat auch immer etwas damit zu tun mir Dinge bewusst zu machen. Schauen, wer nimmt Einfluss auf mich und von welchen Einflüssen sollte ich mich lieber trennen. Zum Beispiel von so einem Freund.

Sprecherin: Christiane Birgden

Audiobeitrag Vom wahren Fasten


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