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Den lieben Gott gibt es nicht
Im Kindergarten üben wir Lieder für das nächste Fest ein. In einem Lied kommt Gott vor. Plötzlich sagt ein Junge neben mir ziemlich unvermittelt:
Den lieben Gott gibt es nicht! Meinst du? sage ich, ich glaube schon. Nein, den lieben Gott gibt es nicht wiederholt der Junge mit einem gewissen Trotz in der Stimme und hat auch gleich ein stichhaltiges Argument parat: Gott gibt es nicht, sonst gäbe es keine Kriege.
Ein Argument, das ich nicht nur von Fünfjährigen höre. Wenn es Gott gibt, warum lässt er so viel Schlimmes in der Welt zu?Theodizeefrage nennt man diese Frage. Die kann einen auch um halb 12 morgens im Kindergarten erwischen. Die Erzieherin schaut auf die Uhr. Gleich ist Mittagessen. Keine Zeit für die Theodizeefrage.
In diesem Moment zieht der Junge seinen Nebenmann am Ohr. Ich halte seinen Arm fest. Stellst du dir so Gott vor? Ein Aufpassergott, der uns Menschen davon abhält, Böses zu tun? So einfach ist das nicht.
Für das, was wir tun, sind wir selbst verantwortlich. Auch vor Gott.
Sprecherin: Christiane Birgden
Den lieben Gott gibt es nicht
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