Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.12.07, Antje Borchers

Alles anders machen

Es gibt Tage, da möchte man alles anders machen. Na ja, vieles, also: das Wichtigste. Zum Beispiel wenn man in einem Baum sitzt und angesprochen wird.

Wenn einen der Blick von Jesus trifft und man merkt, es geht nicht mehr weiter wie bisher. – Das alles trifft auf »den Zöllner« zu. Der Zöllner lebt nicht schlecht, verdient nicht schlecht, aber gut… tja, gut geht es ihm trotzdem nicht.

Es gibt Tage, da würde der Zöllner gern mal mit jemandem reden, vertrauensvoll, ohne geschäftliches Taktieren. Einfach so von Mensch zu Mensch. Es gibt Tage, da wünscht er sich ein ehrliches Gegenüber. Dann, ja dann… würde er sich selbst vielleicht auch trauen, Mensch zu sein. Heute ist so ein Tag. Aber leider hat der Zöllner keine Freunde – und seine beruflichen Kontakte eignen sich nicht wirklich, um ehrlich mit jemand ins Gespräch zu kommen. Denn genau genommen ist auch er kein Freund für andere. Genau genommen hat er im letzten Jahr die Leute ein bisschen über den Tisch gezogen, hat hier und dort mehr Geld aus der Tasche gezogen, als nötig gewesen wäre. Zugeben allerdings würde er es öffentlich nicht – da müsste schon ganz schön viel passieren – aber sein Herz wärmen kann man am Geld nicht. Wärmen könnte man sich an einem guten Wort, an einem liebevollen Blick.

Darum sitzt er jetzt auch in diesem Baum. Ein bisschen lächerlich ist das Ganze schon. Er, Zachäus, ein respektabler Mann vom Zoll, wenn auch nicht gern gesehen, so doch immerhin gefürchtet, hockt im Baum, hoch über den Köpfen der Leute. Würde ihn jetzt jemand sehen, dann wäre selbst dieser letzte Respekt dahin. – Okay, es ist lächerlich, aber es muss sein, denn die da unten ließen ihm keine Chance. Er hätte gerne in der ersten Reihe gestanden… Oder doch nicht…!? Na ja, sie drängten ihn sowieso ab – genussvoll, war sein Eindruck. Tja, die Rache der kleinen Leute, die er nicht gut behandelt hatte. Nun sitzt er also in dem Baum. Er will auch diesen Mann sehen, der, der… ja, wer ist der eigentlich?! Und was will er?

Hoppla, das entwickelt sich ja prächtig: ausgezeichneter Blick auf Jesus! Ausgerechnet jetzt wird er nämlich langsamer, sieht so aus, als will er gerade hier unter dem Baum stehen bleiben. Super, zusehen ohne gesehen zu werden. Das ist sowieso das Beste.

Jesus sieht hoch. Warum auch immer! Den Zöllner trifft es wie ein Schlag. »Zachäus, komm da runter. Ich muss heute bei dir einkehren.« Er will zu mir! Der Zöllner ist selig: Er will wirklich zu mir! Vom  Baum runter, Jesus willkommen heißen und warm ums Herz werden, ist eins. Als die anderen das sehen, murren sie. Alle! »Bei einem Sünder kehrt er ein!«

Und Zachäus? Er stellt sich. »Jesus, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.« Darauf Jesus zu ihm: »Heute ist deinem Haus Heil widerfahren.« – Und zu den anderen: »Er gehört auch zu Gottes Familie. Ich bin hier, um Menschen wie ihn, die mutterseelenallein sind, zu suchen und selig zu machen.«

Es gibt Tage, da will man alles anders machen, da will man ein Mensch werden. Und – es geht. Der Zöllner hat das am eigenen Leib erfahren. Es geht, weil Jesus einen ansieht, liebevoll. Er sieht alles, er sieht auch, dass da noch Änderung möglich ist. Heute? Im neuen Jahr? – Ich hoffe, Sie trifft der Blick auch! Der Blick von Jesus.

Audiobeitrag Alles anders machen


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