Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.01.08, Antje Borchers

Am Ende

Autorin: Es gibt Ereignisse, da denkt man über das Leben nach. Zum Beispiel, wenn man auf einer Beerdigung ist.

Wenn man über die Köpfe der Trauernden hinweg auf den hölzernen Sarg guckt und denkt: Schöner Sarg, aber was bleibt davon, wenn der Sarg in der Erde ist? Was bleibt überhaupt, wenn der Mensch tot in der Erde ist? Es gibt Ereignisse, da denkt man über das Leben nach und ob da am Ende wohl noch was kommt.

O-Ton Gemurmel, Gelächter

Das alles trifft auf »den Tischler« zu. Er ist auf einer Beerdigung in Johannesburg, Südafrika. Er sitzt in der letzten Reihe und sieht über die Köpfe hinweg auf den hölzernen Sarg. Rund 300 Leute sitzen mit ihm in der Kirche. Nicht nur die Pfarrerin redet, auch Familienangehörige des Toten, Freunde, Arbeitskollegen. Es wird viel gelacht. So etwas kennt der Tischler aus Deutschland nicht. Pfarrerin Kornelia Schauf erzählt ihm, welche Bedeutung eine Beerdigung bei den Schwarzen in Südafrika hat:

O-Ton Kornelia Schauf:  „Es gibt Platz für die Trauer, vor allem am Grab wird sehr getrauert und sehr laut getrauert, aber dann ist auch Platz dafür, dass man sagt: Die Beerdigung soll eigentlich das Leben feiern und das Leben dieses Menschen feiern und auch Gott dafür preisen für das, was dieser Mensch erreicht hat.“

Autorin: Für ca. 85 Prozent der Menschen in Südafrika gehört Gott zum Leben dazu. Er ist da, im Glück genauso wie im Leid. Ein Kirchenlied der Christen fragt entsprechend: Warum singst du nicht Halleluja, also ein Lob für Gott, wo auch immer du steckst!?

O-Ton Chor: “Why don’t you sing Hallelujah, where you are…”

Autorin: Der Tischler spürt: Das ist kein oberflächliches Halleluja-Gesinge, das die Trauer übertönen soll. Dahinter steckt die tiefe Überzeugung, dass dieses Leben – und der Tod – nicht alles ist. Kornelia Schauf:

O-Ton Kornelia Schauf: „Wenn ein alter Mensch stirbt, wo man das Gefühl hat, dieser Mensch hat ein gutes Leben gehabt, dann ist es nicht nur traurig. Sondern dann freut man sich, dass dieser Mensch es geschafft hat, jetzt auch weiterzureisen. So wird das auch ausgedrückt.

O-Ton Chor: “I’m going home to die no more…”

Der ist nicht nur tot, sondern der geht jetzt dahin, wo er wieder neu anfangen kann. Und das ist so tief im Bewusstsein, dass es nicht nur traurig ist.“

O-Ton Chor: “I’m going home to die no more…”

Autorin: Der Tischler erlebt bei dieser Beerdigung eine völlig andere Atmosphäre als bei Beerdigungen in Deutschland. Er weiß, das hat auch etwas mit Weihnachten zu tun. Weihnachten erinnert ihn daran: Gott ist in die Welt gekommen, um am Ende den Tod zu überwinden. Gott wurde ein Mensch wie ich und durchlebte alles Menschliche: Liebe, Freundschaft, Verlust, Trauer, Verrat, Schmerzen, sogar den Tod. Er kennt alles Glück und alles Leid. Darum versteht er auch mein Leid und mein Glück. Am Ende überwindet er den Tod. Weihnachten und Ostern, Geburt Jesu Christi und seine Auferstehung gehören deshalb zusammen.

Die Weihnachtszeit dauert noch bis morgen. Der Tischler und alle Christen, egal ob in Südafrika oder in Deutschland, feiern also auf jeden Fall bis morgen, dass Gott sie im Leben begleitet und ihnen für den Tod etwas versprochen hat, nämlich: Am Ende, besser gesagt nach dem Ende, geht auch ihr in ein neues Leben, nach Hause, und dort sterbt ihr nie mehr.

O-Ton Chor: “I’m going home to die no more…”

Autorin: Es gibt Ereignisse, da denkt man über das Leben nach und was danach kommt. Ich wünsche Ihnen, dass Sie – wie der Tischler – glauben können, dass Gott da ist, im Leben, im Tod und danach. Und dass Sie mit dieser Überzeugung ein gutes neues Jahr leben.

Audiobeitrag Am Ende


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