Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.12.07, Silke Janssen

Silvester 2007

Ein Jahr geht zuende. Und ich hoffe, es hat viele gute Dinge für Sie bereit gehabt. Was war denn das Erstaunlichste für Sie in diesem Jahr?

Für mich war in diesem Jahr erstaunlich, das verstärkt über Glaube und Religion gesprochen wurde. Auch der christliche Glaube ist wieder im Gespräch. Sowohl in den Medien als auch in der Politik.

Natürlich wurde das unter anderem angeregt von dem Bestseller „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins.  Der Evolutionsbiologe aus Oxford  wünscht sich eine Welt ohne Religionen, weil sie seiner Meinung nach die Wurzel vielen Übels sind. Er hat mit seinen ablehnenden und provokanten Thesen für manche Auseinandersetzung gesorgt. Auch die Grünen-Politikerin und Theologin Antje Vollmer fragt in ihrem neuesten Buch, ob Gott im Kommen sei. Die Unterzeile zum Buchtitel scheint kämpferisch: „Gegen den Unruhestifter im Namen Gottes“.  Natürlich diskutiert sie christliche Werte und Grundsätze. Und nicht zuletzt war der Comedy-Mann Hape Kerkeling mal weg und auf der Suche nach Gott. Und damit wochenlang auf Platz eins der Bestsellerliste.

Dass der Glaube und das Leben mit Gott im ablaufenden Jahr wieder diskutiert wurde, zeigt mir, dass die Menschen sich an etwas erinnert haben. Sie haben sich auf ein Stück Geschichte und Kultur zurückbesonnen. Auf etwas Gutes. Auf den christlichen Glauben, der im Land Luthers zum täglichen Leben der meisten Menschen dazugehörte. Und den die Menschen in ihren Herzen hatten.

Es scheint aber noch mehr dahinter zu stecken als die bloße Erinnerung: Das Bedürfnis, seinem eigenen Leben und Handeln wieder Sinn zu geben. Das Bedürfnis, hinter die Fassade des oberflächlichen Lebens zu schauen. Erfolg und Ehrgeiz sind schön und notwendig, sonst gibt es keinen Fortschritt. Aber das kann nicht alles sein. Mir schien, dass die Öffentlichkeit sich im auslaufenden Jahr auf das zu besinnen, was auch den christlichen Glauben ausmacht: Den Nächsten zu lieben und nicht wegzusehen, wenn andere in Not sind, vor allem Kinder. Ehrlich zu sein und nicht milliardenhohen Schaden durch Korruption anzurichten. Bescheiden zu sein, selbst wenn die berufliche Position ein Spitzengehalt erfordert. Zu verzichten zugunsten von Menschen, die arm sind. Verantwortung zu übernehmen für sich und sein Umfeld. 

Natürlich gibt es dazu in der Öffentlichkeit auch eine Gegenbewegung. Ich verstehe die Angst der Frauen, die für ihre Freiheit und Chancengleichheit gekämpft haben. Sie befürchten eine gesellschaftliche Entwicklung, die die Frau wieder an den Herd stellt und Windeln kochen lässt. Ich verstehe auch die, die seit dem Ende der 60er Jahre die Gesellschaft veränderten und liberaler machten. Auch sie befürchten, dass das Rad der Geschichte zurückgedreht wird.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Viele Räder lassen sich nicht zurückdrehen. Ich bin froh über die Freiheit, die ich heute als berufstätige, unverheiratete Frau habe im Gegensatz zu den Generationen vor mir. Diese Freiheit lasse ich mir nicht mehr nehmen. Aber ich bin auch froh über das Fundament, das ich im christlichen Glauben habe. Es wird eine Aufgabe der kommenden Jahre sein, verstärkt christliche Werte in das tägliche Leben einfließen zu lassen. In den Medien, in der Politik und auch im privaten Leben. 


 

Audiobeitrag Silvester 2007


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