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Die richtigen Kinder
In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder. Mit dieser Schlagzeile wurde Daniel Bahr vor drei Jahren bekannt.
Der junge FDP-Bundestagsabgeordnete aus Münster erntete zu Recht einen Sturm der Entrüstung. Kurz darauf ging er wieder an die Presse und erläuterte, er sei verkürzt dargestellt worden. Er wolle vor allem die Bedingungen für Akademikerinnen mit Kinderwunsch verbessern.
Seitdem ist einiges geschehen. Das Elterngeld ist eingeführt worden, Ganztagsschulen werden aufgebaut und der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ist beschlossene Sache. Hinter vorgehaltener Hand ist die These von Daniel Bahr jedoch immer wieder zu hören. Und in rechten Blättern wie der Jungen Freiheit wird ihm weiterhin kräftig applaudiert.
Wer so nassforsch daherkommt, spaltet die Gesellschaft in drei Gruppen. Auf der einen Seite die benachteiligten und angeblich allzu fruchtbaren Familien: Nämlich die Bildungsfernen, die Migranten, die Armen. Auf der anderen Seite die kinderlosen Akademiker: die vielen, die sich gegen eigene Kinder entschieden haben; oder die mit ihrem späten Kinderwunsch oft auf medizinische Unterstützung angewiesen sind. Und die darunter leiden, wenn ihr Wunsch nicht in Erfüllung geht. Was da noch übrig bleibt, als Hort der richtigen Eltern, ist die bürgerliche Mitte, in der Familie, Bildung und ein gepflegtes Zuhause als Werte obenan stehen.
Nach diesem Maßstab hätten Isaak, Mose und Jesus diese großen Gestalten der Bibel, die falschen Eltern gehabt. Isaaks Eltern Abraham und Sarah waren bis ins hohe Alter kinderlos geblieben. Als ihr dann ein Kind verheißen wurde, konnte Sarah zunächst nur bitter lachen. Einhundert Jahre war Abraham alt, als Isaak dann endlich von seiner spätgebärenden Mutter auf die Welt gebracht wurde.
Mose dagegen war ein Migrantenkind. Sohn israelitischer Wirtschaftsflüchtlinge in Ägypten damals gab es so etwas. Als Säugling war er ausgesetzt worden und wurde von einer Pflegemutter aufgezogen.
Bei Jesus, dessen Geburt wir gerade wieder gefeiert haben, waren die Verhältnisse bekanntlich noch problematischer. Seine Mutter Maria war minderjährig. Ihr Verlobter wollte sich am liebsten davonmachen, als er von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Und für den Neugeborenen reichte es nicht einmal zu einem Bettchen.
Auch in der Bibel bekommen anscheinend die Falschen die Kinder. Nur dass dort niemand auf die Idee kommt, sie falsch zu nennen. Vor Gott gibt es nämlich keine falschen Eltern, sondern nur richtige Kinder. Kinder, auf denen Gottes Segen liegt. Kinder mit großer Zukunft, auch wenn sie aus kleinen Verhältnissen stammen.
Die richtigen Kinder
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