Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.12.07, Christiane Birgden

Memento mori

Zunächst war ich schon ein bisschen irritiert, als mir meine Freundin für die Silvesterparty ein Totenkopf T-Shirt schenkte.

Ein weißer Schädel,  der mich freundlich angrinsten. Memento mori steht darunter geschrieben. „Das ist der neuste Trend,“ sagte sie, „Totenköpfe sind in.“

Bisher kannte ich das nur von Kirchen und Klöstern aus dem Barock. Die Menschen hatten damals grade den 30jährigen Krieg hinter sich und den Tod noch gut vor Augen. Deshalb ist eigentlich in jedem Altarbild aus dieser Zeit ein Totenkopf als Motiv eingearbeitet: Memento mori – Bedenke, dass du sterblich bist. Heißt das und soll die Menschen daran erinnern, dass auch ihre Tage gezählt sind.

Der neue Totenkopfkult – ein modernes Memento mori?  Falsch wäre das ja nicht in einer Zeit, in der wir bemüht sind, so unangenehme Dinge wie das Altwerden, Tod und Sterben so weit wie möglich dem Leben hinauszudrängen:

Was alt ist, kommt ins Seniorenheim. Was krank ist in die Pflege. Es gibt immer mehr Menschen, die ein Leben zwischen Büro, Fitnessstudio und Kaffeebar verbringen, ohne jeglichen Kontakt zu alten und pflegebedürftigen Menschen.

Vielleicht ist es ja so, dass je mehr unsere Gesellschaft Tod und Sterben tabuisiert, desto mehr kehrt der Tod, wenn auch nur als Modeaccessoire, zurück.

Wenn mir bewusst ist, dass meine Zeit hier begrenzt ist, werde ich bewusster leben und das, was mir wirklich wichtig ist, nicht immer auf Morgen verschieben, weil ich weiß, dass das Morgen nicht garantiert ist.

Sprecher: Michael Birgden

 

Audiobeitrag Memento mori


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