Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

02.01.08, Kerstin Hanke

Wo kommst Du her?

Und, wo kommst du her? Da war sie wieder. Die Frage, die immer kommt und die ich hasse. Als ich klein war, konnte ich das mit Sicherheit sagen. Doch heute?

Ich bin so oft umgezogen in den letzen Jahren. Ausbildung Studium, Job. Es waren zu viele Städte und zuwenig Zeit in jeder.

Meine Eltern leben mittlerweile in Spanien. Wenn ich sie besuche, dann fahre ich nicht nach Hause. Die Stadt, in der sie leben, ist mir fremd. Ich kenne da keinen. Ich treffe keine alten Schulfreunde. Ich finde dort weder ein Haus oder einen Weg oder einen Menschen aus meiner Kindheit oder Jugend.

All das ist ein Teil der Identität jedes Menschen, aber was macht man, wenn dieses Stück fehlt? Ich kann nicht sagen, wo ich herkomme. Das nennt man wohl entwurzelt.

Mein bester Freund nennt mich: Nomade. Das gefällt mir. Die waren auch ständig unterwegs. Aber auch sie brauchten auch Erinnerungsmarkierungen. Überall wo es ihnen gut ging, wo etwas Besonderes passierte, haben sie Steinhaufen errichtet und dem Ort einen Namen gegeben. Aber ich kann ja nicht irgendwo Steine aufhäufen. Das würde ja nicht bleiben. Also habe ich begonnen mir in jeder Stadt eine große Kirche auszusuchen. In die gehe ich regelmäßig. Sitze einfach da, mache nichts besonderes, lausche den gefilterten Geräuschen der Stadt. Beobachte die anderen Besucher. Träume ein wenig. Denke darüber nach, an welchen Punkt meines Lebens ich gerade bin. Diesen Steinhaufen gebe ich dann einen eigenen, neuen Namen, der mit mir zu tun hat.

Und, wo kommst du nun her: Auf diese Frage sage ich mittlerweile: Aus Himmelsburg.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Wo kommst Du her?


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