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Ich steh an deiner Krippen hier (eg 37)
Choral: Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben; ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir's wohlgefallen.
Was schenken wir eigentlich Jesus zum Geburtstag, fragte mich mein sechsjähiger Sohn und klebte einen weiteren Halm an seinen Strohstern. Ich war verblüfft. Jesus etwas schenken? Wie kommst du darauf? Naja, er hat doch Weihnachten Geburtstag und wir basteln für alle Geschenke, aber nie für ihn. Wir sind doch schliesslich eingeladen! Dann brauchen wir auch ein Geschenk!
Eine weise Frage. Ihre kindliche Ernsthaftigkeit hat sich der Dichter Paul Gerhardt auch noch im seinem 46. Lebensjahr bewahrt und die Antwort gefunden:
Sprecher: Ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben. Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut, nimm alles hin und lass dir's wohlgefallen
Mich zum Geschenk machen? Mich hingeben mit Leib und Seele? Mit all den Eigenarten, die ich eifersüchtig hüte? Das ist besonderen, exklusiven Momenten angesiedelt. Wo wir fiebrig vor Liebe sind. Wo wir feierlich einander Treue versprechen. Wo nur einen Herzschlag entfernt das liebste Herz schlägt. Es ist die intime Sprache der Liebe. Paul Gerhardt nutzt bewusst diese erotische Klänge, um die Liebe zu Gott und seine Liebe zu uns auszudrücken. ´0´40
Musik
Sprecher: Vergönne mir, o Jesulein, dass ich dein Mündlein küsse. Das Mündlein, das den süß´ten Wein, auch Milch und Honigflüsse weit übertrifft in seiner Kraft. Es ist voll Labsal, Stärk und Saft, der Mark und Bein erquicket.
Zeilen, die zum ursprünglichen Text gehörten. Aus dem Gesangbuch sind sie mittlerweile gestrichen worden. Geriet die Anbetung des Krippenkindes für heutige Geschmäcker zu detailverliebt? Paul Gerhardt aufgewachsen im 30jährigen Krieg. Unter Kriegstrommeln, Brandschatzung und Pestilenz. Waisenkind und Internatszögling. Studiosus und Hauslehrer. Jeden Tag der Woche bepredigt von lutherischen Pastoren. Von nüchternen, sprachgewaltigen, ernsthaften Männern. Gewöhnt an Diziplin und Denkzucht von Kindesbeinen an. Wie fand so jemand zu dieser intimen, religiösen Sprache zurück, die so verschüttet in jenen Zeiten war? Gerhardt grub die Schätze der mittelalterlichen Mystiker aus. Er polierte die biblischen Bilder, bis sie funkelten. Schrieb für die kleinen Leute Andachtsgedichte. Er holte die Theologie in die gute Stube, in den grünen Garten, an die sonnenbeschienen Wege. Es ist ein Ich, dass da beständig singt, nicht das große trotzige Wir der reformatorischen Glaubenslieder. Es geht um mich, und dem was ich glaube.
Choral: Da ich noch nicht geboren war, da bist du mir geboren und hast mich dir zu eigen gar, eh ich dich kannt, erkoren.
Der Stall in Bethlehem ist keine 2000 Jahre entfernt. Er ist hier. Gegenwärtig. Ich trete vor die Krippe so wie ich in den Nachbarraum schreite. Wenn ich mit den Meinen Weihnachten feiere, dann wundere ich mich. Stand ich nicht erst gestern da mit glänzenden Augen und meine Mutter zündete die Kerzen an? Und nun sitzt sie da mit weißem Haar und mein Sohn hat diesen staunenden Blick. Die gestern waren, sind da, so wie die Zukunft auch schon da ist. In mein Leben ist hineingewoben all ihre Zuneigung und Zärtlichkeit. Ich mitten drin, in unserem Jetzt, in unserer Zeit. Wo war ich, bevor ich geboren war? Wo werde ich sein, wenn ich einmal sterbe. Paul Gerhard weiss auch eine Antwort auf diese Fragen: Du bist ein gewolltes, erwünschtes, ersehntes Menschenkind.
Choral: Eh ich durch deine Hand gemacht, da hast du schon bei dir bedacht, wie du mein wolltest werden. 0´25 Von Gott gewollte Menschenkinder sind wir. Dennoch - die Welt war und ist kein Kinderspiel. Sie ist voll mit dunkeln Nächten, mit Seelenqualen und bitterer Einsamkeit. Gerhards Lieder sind innig auch im Schmerz.
Sprecher: Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht', wie schön sind deine Strahlen.
Es kann kein Weihnachten werden, wo nicht die Gegensätze aufeinanderprallen. Das Krippenkind, geboren im Stall, im Stroh und Heu. Nicht gewollt von den Mühlen der Welt, die da Geld mahlen. Die da Menschen zermahlen und sie neu zusammensetzen. Bis sie funktionierende Skeptiker sind.. Reich an Bildung, reich an Einfluss, reich an Meinung. Da ist kein Gott, den ihr Verstand zu fassen vermag. Was aber den Verstand übersteigt, das nuss man sich klein machen. Klein genung, das es begreifbar wird für Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut.
In der Krippe hat sich Gott klein gemacht. Ein Kind zum Anfasssen, Herzen, Liebkosen. Ein Gott für dich und mich. Für die, die ein verzagtes Herz und einen zermürbten Sinn haben. Für die, die alles von ihm erwarten. Für die, die an ihm verzweifeln. Für die, die ihn resigniert ablehnen. Für die, die alle Hoffnung auf ihn setzen.
Sprecher: Ich sehe dich mit Freuden an und kann mich nicht satt sehen; und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen. O dass mein Sinn ein Abgrund wär und meine Seel ein weites Meer, dass ich dich möchte fassen!
Auch wenn mein Sinn ein Abgrund wäre und meine Seele ein weites Meer. Gott ist nicht zu fassen. Es sei denn, ich kann wie ein Kind vertrauen und staunen. Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, sagt das Krippenkind als ein Mann geworden ist, so werdet ihr das Himmelreich nicht empfangen.
Sprecher: Mit 18 war ich technisch perfekt. Den Rest meines Lebens habe ich gebraucht, um wie ein Kind malen zu lernen,
hat der Maler Pablo Picasso einmal gesagt. So schliesst der Kreis. Wir werden groß, um wieder klein zu werden. Ich brauche den Rest meines Lebens wie ein Kind zu glauben lernen.
Choral: Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne, die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne. O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht', wie schön sind deine Strahlen.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrerin Kerstin Hanke aus Bochum über den Choral Ich steh an deiner Krippen hier. Es sangen die Essener Domsingknaben.
Ich steh an deiner Krippen hier (eg 37)
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