Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.12.07, Antje Borchers

Ein Drama mit ahnungslosen Akteuren

Autorin:Im Dezember vor 66 Jahren startete in England auf BBC-Radio eine außergewöhnliche Hörspielreihe.

Die berühmte Krimi-Autorin Dorothy L. Sayers hatte über das Leben von Jesus ein Drama fürs Radio geschrieben. Hören wir mal hinein. In die Zeit kurz nach Jesu Geburt. Jerusalem: Im Vorzimmer des Königs Herodes vertreiben sich drei die Zeit: der alte Ephraim, ein Duckmäuser im Dienste des Königs, der Römer Proclus, selbstbewusst, als Hauptmann in Herodes’ Leibgarde tätig; und ein junger Sklave, verzogen und naseweis. Der Junge macht sich ein bisschen wichtig:

O-Ton 1:
Sklave: Auf dem Markt wird erzählt, dass Judäa einen neuen König haben wird.
Proclus:  Heh? Hör auf mit dem Quatsch, mein Junge!
Ephraim:  Das ist Hochverrat.
Sklave: Ich habe ja auch gar nichts gesagt, aber die Fremden, die gestern angekommen sind, die haben dem Türhüter erzählt…
Proclus:  Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe?
Sklave:  Na schön. Dann nicht! Aber ganz Jerusalem spricht von nichts anderem.

Autorin: Die Schriftstellerin Dorothy L. Sayers war fasziniert von der Tatsache, dass Jesus in einer ganz bestimmten Zeit lebte. Darum malte sie in ihrem Hörspiel aus, was diese Zeit ausmachte: die römischen Soldaten als raue Gesellen; Herodes, der Große, ein grausamer, aber fähiger Alleinherrscher; und eben das Volk, aufgeschlossen für Klatsch und Tratsch. – Kommt Ihnen das bekannt vor? Dorothy L. Sayers wollte zeigen: Damals, das waren keine teuflisch bösen Menschen, das hätten genauso gut wir sein können. Doch zurück ins königliche Vorzimmer zu Proclus, Ephraim und dem Sklaven. Auch der König selbst ist da. Ganz Jerusalem tuschelt also, dass der Stern eines neuen Königs am Horizont aufgetaucht sein soll. Natürlich dringt das doch bis zu Herodes durch. Denn die Fremden, von denen der junge Sklave sprach, Sterndeuter, wie sich herausstellte, sind zur Audienz beim König: Sie wollen den neugeborenen Königssohn sehen.

O-Ton 2:
Proclus:  Das ist ja interessant. Welchen Sohn denn?
Ephraim: Hauptmann Proclus! Nicht so laut…

Autorin: Ephraim will beschwichtigen, fürchtet um seine eigene Haut. Er sieht den Ärger des Königs aufziehen, denn der König hat ja gar keinen neugeborenen Sohn. –

O-Ton 3:
Ephraim: Majestät! Ist es nicht möglich, dass diese weisen Könige in ihrer Kalkulation Fehler gemacht haben? Die Hofmagier Eurer Majestät haben keine offizielle Prophezeiung in Verbindung mit dieser – ehem – angeblichen astralen Erscheinung bekannt gegeben.

Autorin: Doch der König wittert sofort Verrat, er sieht überall nur die Prinzen, die seinen Meuchelmord planen. Bevor aber sie ihn, den großen Herodes, umbringen können, will lieber er alle angekündigten oder selbsternannten Herrscher umbringen. Den kleinen Jesus also auch. Um ganz sicher zu gehen, lässt er alle Jungen unter zwei Jahren umbringen. Herodes wusste ja nicht, wer Jesus in Wirklichkeit war, und dass er dabei war, das Verbrechen aller Verbrechen zu begehen, nämlich: den Mensch gewordenen Gott zu töten. Damals konnte die Familie mit dem neugeborenen Jesus wie durch ein Wunder entkommen. Viel später dann wurde er doch noch ermordet, von ganz normalen Menschen, die versuchten, ihre eigene Haut zu retten und die nichts ahnend an dem Drama von Jesus mitwirkten – oft sogar im Glauben, sie täten etwas Gutes. Wie die BBC-Hörer damals auf diese Hörspielreihe reagiert haben, davon erzähle ich Ihnen morgen. Bis dahin: Achten Sie darauf, was Sie alles im guten Glauben tun!

 

Audiobeitrag Ein Drama mit ahnungslosen Akteuren


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