| |
Was sagt das Publikum?
Was im Radio gesendet wird, trifft auf ganz unterschiedliche Ohren von ganz unterschiedlichen Menschen. Das ist heute so, das war im Dezember vor 66 Jahren nicht anders.
Damals wurde in England auf BBC-Radio ein Hörspiel über das Leben Gottes gesendet. Geschrieben hatte es die berühmte Krimi-Autorin Dorothy L. Sayers, Titel: »Born to be king«, Zum König geboren. Es ging um Jesus, den Mensch gewordenen Gott, diesen uralten Stoff hatte Dorothy L. Sayers zu einem Theaterstück geschneidert. Sie hatte große Erfahrung als Dramatikerin, zudem war sie als Übersetzerin alter griechischer Texte vertraut mit Stoffen aus dem Altertum. Trotzdem hagelte es Kritik an diesem Projekt der BBC. Die Kritiker kamen aus den verschiedensten Lagern. Die einen waren die »Frommen«, die befürchteten, die richtige Theologie würde durch das Projekt verschleiert.
Dorothy L. Sayers, selber Christin, antwortete ihnen: »Dem Dramatiker obliegt es nicht, das Drama der Theologie zu unterwerfen. Sondern darauf zu vertrauen, dass die Theologie aus der dramatischen Widergabe der Geschichte unverfälscht hervorgeht.« Die Krimi-Autorin war überzeugt, dass das gelingt, denn so sagte sie: »Die Geschichte Christi und die Theologie Christi sind ein und dieselbe Sache: Sein Leben ist Theologie in Aktion.« Für die Autorin war die Bühne geradezu die beste Prüfung für die Klarheit einer Theologie. Sie sagte: »Nichts fördert so krass Unstimmigkeiten in einer Figur, einer Geschichte oder einer Philosophie zu Tage, wie sie auf die Bühne zu stellen und für sich selbst reden zu lassen.« Sie war überzeugt: »Was in der Kunst richtig ist, ist auch in der Praxis richtig.« Andere Hörer, Kirchenleute, hofften natürlich, dass diese Hörspielreihe auf BBC-Radio »nützlich sei« die Kirchenfernen befürchteten genau das. Aber das wollte Dorothy L. Sayers auf keinen Fall, Werbung für die Kirche machen oder theologische Lehrsätze verbreiten. »Mein Ziel war es«, so die Autorin »diese Geschichte zu erzählen, so gut ich es im Rahmen des mir zur Verfügung stehenden Mediums nur konnte.«
Als dann der erste Teil des Hörspiels am 21. Dezember 1941 gesendet wurde, gab es vor allem begeisterte Reaktionen. Ein Hörer schrieb an die BBC: »Als Junge bin ich jeden Sonntag fünf Mal in die Kirche gegangen; aber ich muss an dieser Stelle ehrlich zugeben, dass ich heute in einer halben Stunde mehr über meinen Glauben erfahren habe als all die Jahre hindurch.« Jemand anders schrieb: »Ihre Hörspiele haben mich im Innersten berührt. Allein schon die Sprache, die Sie verwenden, schreckt uns aus den altgewohnten Gleisen auf.« Ein anderer Hörer beschwerte sich gerade wegen der »gewöhnlichen Sprache«, die in Kneipen passe, die aber eine völlig andere Atmosphäre als im Original herstelle, »wo alles so eindrucksvoll und wunderbar erzählt wird«. »Genau so ist es«, antwortete ihm Dorothy L. Sayers. Ich wollte die angenehme, neblige, malerische Undeutlichkeit von der Geschichte wegreißen und habe darum ungeschliffene neue Worte benutzt. Meine erste Frage lautete nämlich: Werden wir von dieser äußerst beunruhigenden Geschichte genügend beunruhigt?
Auch wir heute, im Dezember 2007, im WDR-Sendegebiet hören in diesen Tagen die alte Geschichte von Jesus Christus. Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie beunruhigt werden.
Was sagt das Publikum?
|