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O Tannenbaum
Am Weihnachten laufen wir immer mit ein paar Freunden vormittags durch unser kleines Städtchen, schnappen uns ein paar Weihnachtsmannmützen,
drei Trompeten und zwei Liederbücher. Und wir gehen dann zu unseren Bekannten, weil am Heiligen Abend ist ja bekanntlich der meiste Stress. Da spielen wir dann einfach unangekündigt morgens so ab 11 Uhr ein Weihnachtslied vor der Tür: Die Leute freuen sich dann immer. Und wir holen uns immer dankbare Blicke und ein Pinnchen Schnaps ab.
In einem Jahr lag ein Altenheim auf unserer Route. Und da haben wir gedacht, den alten Leuten können wir ja auch ein Lied singen und sind rein in die Lobby, da saßen auch vereinzelt alte Leute und sahen recht einsam aus.
Aber sofort kam der Mann von der Rezeption und sagte: Chaoten. Direkt raus! Er hat uns rausgeschmissen und wir wussten überhaupt nicht, wie uns passiert.
Aber da kam eine alte Frau uns mit der Gehhilfe nach und sagte: Aber ich möchte ein Weihnachtslied hören. Draußen. Da haben wir uns draußen vor die Tür gestellt. Drinnen durften wir ja nicht. Da war so ein großer Tannenbaum und da standen wir drunter und haben wir für sie Oh Tannenbaum gespielt. Alle 5 Strophen hat sie mitgesungen. Und das war ein Bild, das ging uns allen sehr nah. Sie stand da und hatte dabei Tränen in den Augen. Und da haben wir gemerkt: Wie einfach es doch ist gerade an Weihnachten anderen Menschen eine Freude zu bereiten, indem man ihnen einfach ein bisschen Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt. Leider rafft das heutzutage nicht mehr jeder. Dabei ist es im Grunde so einfach. Man muss nur den Schritt vor die Tür machen.
Sprecher: Gernot Hoersch
O Tannenbaum
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