Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

22.12.07, Ann-Katrhin Brenke

Kein Stress!

Ich stehe auf dem Bahnsteig und warte auf den Zug. Zwei Tage noch bis zum Heiligen Abend. Wenn ich nachher bei meinen Eltern ankomme,

sind die Vorbereitungen bestimmt schon im vollen Gange, und mein Vater ist gestresst. Er wird wie immer den Tannenbaum einstielen, dabei das Wohnzimmer verwüsten, überall wird Werkzeug im Weg liegen. Die Lichterkette wird ein einziger Knoten sein, das Lametta verknüllt und am Ende steht der Baum dann leicht schief. Und er wird nicht aufhören, dass ändern zu wollen. „Jetzt bleib doch mal locker!“, werde ich dann leicht genervt zu ihm sagen. Bei ihm muss immer alles bis ins Kleinste geplant und perfekt sein.

Der Zug hat Verspätung. Ich bin gereizt. Mein Handy klingelt. „Wann kommst du denn?“, fragt meine Mutter. „Dein Vater ist schon wieder am Durchdrehen.“ - „Ich weiß nicht“, sage ich. „Der Zug hat Verspätung. Immer dasselbe. Jetzt verpass ich bestimmt alle Anschlusszüge und komm viel zu spät bei euch an. Und es gibt noch so viel zu erledigen. Und vorher wollte ich doch noch …“

„Wie dein Vater“, unterbricht mich meine Mutter. „Mach dir nicht immer so´ n Kopf. Vieles klärt sich von allein.“ Ich muss schmunzeln. Typisch Mama. Und ich weiß auch schon ihren nächsten Satz. Jetzt wird sie mal wieder diesen Bibelvers zitieren: „Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das seine sorgen.“ Und eigentlich hat sie damit vollkommen recht.

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Kein Stress!


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