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Nikolaus
5 Tage nach Nikolaus geht in ganz Europa das Planspiel Börse zu Ende. Gruppen von Jugendlichen beteiligen sich an diesem Spiel.
Unter realen Börsenbedingungen sollen sie ein Startkapital von € 50.000 durch Verkäufe und Käufe erhöhen. Dabei lernen sie: Der Traum vom großen Geldbesitz wird nur wahr, wenn sie sich anstrengen. 10 Wochen haben sie Zeit. Danach werden sie gefragt: Was habt ihr aus eurem Geld gemacht? Legt Rechenschaft ab.
Früher gab es die Tradition, eine bestimmte biblische Geschichte am Nikolaustag in der Kirche zu lesen. Die geht so: Ein Herr vertraut seinen Knechten jeweils ein Geldstück an. Damals hieß das Talent. Er kommt zurück und fragt jeden: Was hast du mit deinem Talent gemacht? Leg Rechenschaft ab. Daraus entstand der Brauch, Kinder vom Nikolaus fragen zu lassen: Sind´s gute Kind, sind´s böse Kind? Der biblische Text fragt Erwachsene. Die Frage gilt jedem und jeder von uns: Was hast du gemacht aus deinen Talenten, wozu hast du deine Fähigkeiten benutzt? Du, mit der schönen Stimme, lässt du sie erklingen dir und anderen zur Freude? Du mit dem klugen Kopf: bringst du dein Wissen ein, teilst du anderen deine Gedanken mit und schärfst kritisches Bewusstsein? Du mit deinen kunstfertigen Händen- bewegst du sie und stellst etwas her, das dein und das Leben anderer bereichert? Du mit deinen aufmerksamen Augen erzählst du von dem, was du siehst? Du mit deinem Mut stehst du auf und vertrittst eine Außenseitermeinung? Du mit deiner Feinfühligkeit öffnest du dein Herz für andere?
Vor mehr als 1600 Jahren lebte in Kleinasien ein Mann, der viel aus seinen Talenten machte. Nikolaus von Myra hieß er. Wahrscheinlich war er ein Bischof.
Er war reich, mutig und tatkräftig. Schon bevor er Bischof wurde, griff er da ein, wo er Not sah: Da war zum Beispiel sein Nachbar. Der war arm, zu arm um seine drei Töchter mit einer Mitgift auszustatten. Heiraten konnten sie also nicht. Er wusste nur einen Ausweg aus der Not: die drei Töchter als Prostituierte auf die Straße zu schicken. Damit sollten sie ihr und sein Leben unterhalten. Nikolaus, der davon hörte, warf an mehreren Tagen Goldklumpen durch den Kamin in das Nachbarhaus. Nun hatten sie genug Geld: die Töchter konnten heiraten, der Vater hatte drei Sorgen weniger.
Nikolaus übernahm Verantwortung. Er behielt seine Fähigkeiten und Güter nicht für sich. Er benutzte sie und half seinen Mitmenschen zu leben.
Geistesgegenwart, Geschicklichkeit, Mut, Phantasie und Kreativität brauchen die Jugendlichen, die beim Planspiel Börse mitmachen. In unserer am Markt orientierten Welt macht ein solches Spiel sicher Sinn. Früh werden Jugendliche so fit gemacht.
Doch: Erfahren sie auch, dass sie andere Fähigkeiten haben? Nicht nur solche, die in Schule und Beruf hoch geachtet werden. Sondern gerade die, die nicht mit Zensuren und Gehalt bewertet werden: Einfühlung und Gerechtigkeitssinn, Zärtlichkeit und Empfindsamkeit, Langsamkeit und Aufrichtigkeit.
Was ist mit uns Älteren? Welchen Stellenwert haben diese Fähigkeiten in unseren Augen? Nehmen wir sie an uns selbst als Fähigkeiten wahr? Die Bibel sagt: Gott hat sie uns geschenkt. Was machen wir daraus? Halten wir sie zurück oder lassen wir sie wachsen, damit unser Traum vom Leben Wirklichkeit wird? Gut finde ich, dass der gute alte Nikolaus mich wieder an diese Frage erinnert.
Nikolaus
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