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Zur Besinnung kommen
Manchmal wecken mich Träume auf. Auch im übertragenen Sinn. Sie machen mich unruhig. Sie fordern mich heraus.
Es kann dann sein, dass ich einen schon gefassten Beschluss neu bedenke oder sogar umwerfe.
Das passierte auch dem biblischen Josef. Dem Verlobten der Maria. Sie lebten beide in der kleinen Stadt Nazareth. Alle Nachbarn kannten sie. Alle wussten: Josef und Maria sind verlobt. Sie warteten auf die Hochzeit und hatten das junge Paar gut im Blick.
Eines Tages bittet Maria ihren Verlobten zu einem Gespräch. Sie sei schwanger gesteht sie ihm. Eine Schwangerschaft zur Unzeit bringt auch heute noch viele Frauen und Männer in schwierige Situationen. Besonders die Frau muss auf kritische Fragen gefasst sein, kann aber auch auf Unterstützung zählen. Das ist uns heute wichtig, schwangere Frauen nicht alleine zu lassen.
Zu Marias und Josefs Zeiten gab es in dieser Hinsicht kein Pardon. Eine Frau, schwanger geworden vor der Ehe, war unten durch in der Meinung der Leute. Kein Mann würde sie mehr heiraten. Mit ihrem unehelichen Kind wurde war sie für die eigene Familie eine Last, die durchgefüttert und ausgehalten werden musste.
Diese Zukunft stand Maria bevor. Das wusste Josef. Er wollte damit nichts zu tun haben. Denn Marias Schande würde auch auf ihn zurückfallen.
Abhauen, Maria ihrem Schicksal überlassen und selbst möglichst unbeschadet das Weite suchen. Irgendwo neu anfangen. Diese Lösung wollte er wählen. Dazu war er fest entschlossen.
Im Schlaf aber, so erzählt die Bibel, spricht Gottes Engel zu ihm: Josef, hab keine Angst. Heirate Maria. Diese Schwangerschaft ist kein Fehltritt. Sie geschieht, weil Gott es will. Trau dich, Maria zu heiraten. Trau dich, Vater dieses Kindes zu werden. In ihm kommt Gott zu euch. Gott will dich, Maria und alle in deinem Volk retten.
Josef wacht auf. Sein zuvor gefasster Plan gilt nicht mehr. Er heiratet Maria. Er wird Vater des Kindes, das Maria austrägt. Er nennt ihn Jesus. Das heißt: Gott rettet. Kurzum: Josef traut den Worten, die er im Traum gehört hat.
Meine Träume sind leider nie so eindeutig. Und ob Gott direkt oder sein Engel zu mit spricht, weiß ich nicht immer so genau zu sagen. Ich träume meist von Menschen, mit denen ich lebe, manchmal auch von welchen mit unbekannten Gesichtern. Was ich aber kenne, ist, dass ein Traum mich zur Besinnung bringt. Mich neu überlegen lässt: War das richtig, was ich da gestern in der Wut gedacht und beschlossen habe? Ist Weglaufen wirklich der einzige Ausweg? Im Traum erlebe ich manchmal die Konsequenz, die eine Flucht für mein Leben hätte. Ich spüre Schmerz und Trauer und wie es ist, wenn man verlassen ist. Wenn ich wach werde und zu mir komme, weiß ich auf einmal wieder, was und wer mir wichtig ist in meinem Leben. Ich bedenke die Situation vom vergangenen Tag noch einmal und suche andere Lösungen.
Ob das dann Gottes Stimme war, die im Traum zu mir gesprochen hat? Ich hoffe es. Wichtig ist mir, dass in mir und mit mir etwas passiert ist. Wichtig ist mir, dass ich meine Gefühle und Gedanken noch einmal überdenke. Ich schaue mir mein Leben neu an. Es leuchtet in einem anderen Licht.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Gott viele Möglichkeiten hat, sich mit mir zu verständigen: durch andere Menschen, durch Gedanken und Gefühle, durch Lieder und Gebete, biblische Geschichten, Radiosendungen und Filme. Und eben auch durch Träume.
Zur Besinnung kommen
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